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I. Die Haltung des Pferdes und die Hände des Reiters stehen in Wechselwirkung:
1. Solange das Pferd lang und flach ist sind die Handrücken oben.
2. Wenn es beginnt sich zu heben sind die Hände aufrecht.
3. Wenn es sich mobilisiert kommen die Fingernägel nach oben.
Anmwerkungen: In den nun folgenden Übungen spielen die ruhige Körperkontrolle des Reiters, seine Augen und seine Absichten die Hauptrolle.
II. Im ausbalancierten Pferd (auch schon bevor es sich hebt) bewirkt das Wenden der Hände/Handgelenke das spontane Seitwärtstreten (i.e. ohne den Einsatz eines seitwärtstreibenden Schenkels. Es ist also kein Schenkelweichen, aber im Prinzip die selbe Bewegung). Es kann aber auch die Wendung einer einzelnen Hand eingesetzt werden.
1. Wenn die Finger einer Hand nach unten und die Finger der anderen Hand nach oben zeigen (also beide Daumen in die selbe Richtung weisen) tritt das Pferd in die Richtung der Daumen über und führt das Seitwärtstreten aus. Der Reiter blickt in die Bewegungsrichtung.
2. Fürs Kruppevor wird die äussere Hand flach. Die innere bleibt aufrecht.
3. Fürs Schultervor (=Kruppeheraus) wird die innere Hand flach. Die äussere bleibt aufrecht.
Anmerkung: Der sanfteste Einstieg ist das Aufrichten einer Hand während die andere flach bleibt. Dieses Vorgehen beginnt mit einem Einfluss auf die gleichseitige Schulter, die in eine Gewichtsverlagerung zum diagonalen Hinterbein übergeht.
III. Im gehobenen Pferd hat sich vieles verändert und die Hände des Reiters wirken nun anders:
1. Das Eindrehen (aus dem Wenden) des inneren Handgelenks verkürzt den inneren Zügel und bewirkt das Kruppeherein. Das Eindrehen des Handgelenks ist also die Hilfe für das Biegen des Pferdes und das gleichseitige Hereinbringen der Kruppe. Die äussere Hand bleibt aufrecht.
2. Das Wenden des äusseren Handgelenks bringt den Zügel zum Hals und verlegt das Gewicht des Pferdes vermehrt auf das innere Hinterbein. Es ist zugleicht die Hilfe für das Schulterherein auf drei Hufschlägen. Die innere Hand bleibt aufrecht.
3. Interessanterweise bleibt die Wirkung des gewendeten äusseren Handgelenks auf das innere Hinterbein auch erhalten, wenn sich die Hand des Reiters vom Pferdhals wegbewegt. Sie führt so den Richtung weisenden Zügel. Die innere Hand bleibt aufrecht und wird wenn sie sich zum Pferdhals hin bewegt zum treibenden Zügel.
Anmerkung: Während Schulterherein und Kruppeherein jeweils die Vorhand und die Hinterhand einzeln deplazieren, kommt es in den nun folgenden Übungen zu einer Verschiebung der Vorhand in eine und eine Verschiebung der Hinterhand in die andere Richtung. Das Pferd wendet um den Mittelpunkt, der sich genau unter dem Reiter befindet.
IV. Es folgt die Wendung um den Mittelpunkt. Diese bereitet den Wirbel vor, der seinerseits freie Übergänge zwischen allen Seitengängen ermöglicht. Der Einsatz der Hände folgt der Logik des zuvor Gesagten.
1. Um die Wendung um den Mittelpunkt zu beginnen führt der Reiter das Pferd in die Volte und verlegt beide Daumen nach aussen. Das Pferd kommt mit den Schultern herein, die Wendung wird immer kleiner. Zum Schluss wendet das Pferd um seinen Mittelpunkt direkt unter der aufrechten Wirbelsäule des Reiters. Die Hauptwirkung ist auf dem inneren Zügel (i.e. auf der flachen Hand).
2. Wenn der Reiter das Pferd in der Wendung um den Mittelpunkt gerade hält, richtet es sich auf. Das Wenden der Hände bleibt wie zuvor. Beide Zügel sind gleich lang, die Hauptwirkung ist auf dem äusseren Zügel.
3. Wenn der Reiter das Pferd sanft anhält, dann langsam die Daumen beider Hände in die entgegengesetzte Richtung verlegt und danach das innere Handgelenk leicht eindreht verlegt das Pferd die Bewegungsrichtung vom Kopf zum Schweif und kehrt die Wendung um den Mittelpunkt um. Dabei geht es in Haltung. Zu tun hat das mit der Eigenart des Bewegungsaparates und der Zurückverlegung der Energien.
Anmerkung: Die umgekehrte Wendung um den Mittelpunkt bereitet das flüssige Konterkruppeherein auf geraden und gebogenen Linien vor, und das Rückwärtstreten.
V. Die Wendung um den Mittelpunkt und der sich aus ihr ergebende Wirbel sind in der reiterlichen Praxis nicht nur die schnellste und effektivste Art das Pferd zu wenden. Sie bringen sicher, unkompiziert und völlig gefahrlos die Faszienzüge des Körper ins Gleichgewicht, richtet das Pferd auf und versammelt es.
1. Um das Pferd mit dem Wirbel bekannt zu machen, führt der Reiter es mit gleich langen Zügeln auf gerader Linie (z.B. dem zweiten Hufschlag) und wechselt vom Seitwärtstreten nach einer zum Seitwärtstreten zur anderen Seite, indem er die Daumen seiner Hände sanft von einer zur anderen Seite immer in die Bewegungsrichtung verlegt.
2. Durch das Eindrehen einer Hand oder das Verkürzen eines Zügels kann er dabei die Stellung des Genicks bestimmen und das Pferd ganz nach Wunsch nach innen oder aussen stellen und/oder biegen.
3. Damit schliesst sich der Kreis. Mit einsetzender Geschmeidigkeit kann der Reiter das Pferd nach und nach in allen Gangarten im weitabgestellten Seitwärts in allen Stellungen und Richtungen seitwärts gehen lassen und zwischen ihnen hin und her wechseln.
Anmerkung: Da die genannten Wendungen der Hand die Wirkungen des Sitzes perfekt vorbereiten, kann er bald alle Seitengänge nicht nur im Schritt, sondern in allen Gangarten auch nur vom Sitz aus reiten. Zu gegebener Zeit kann er dabei die Zügel auch mit nur einer Hand führen.
Zusammenfassung.
Die Orientierungen der Hand dienen dazu das Gewicht des Pferdes mühelos umzuverteilen. Dies wird immer wieder nötig sein, solange das Pferd sich noch nicht vollends geradegerichtet hat. Sie leiten die Seitengänge ein und bereiten in dem Zuge den Sitz des Reiters entsprechend vor. Sie sind das Mittel der Zukunft, um reibungslos und effektiv mit dem jungen oder gestörten Pferd zu kommunizieren. Sie erledigen sich, wenn das Pferd gerade und fein auf den Reiter abgestimmt ist und der Reiter es nur vom Sitz aus reiten kann.
Die flache Hand macht das Pferd flach. Die aufgerichtete Hand richtet das Pferd aus. Nach oben gerichtete Finger eignen sich als versammlende Signale. Aus diesen Grundsätzen gehen automatisch die Wirkung unterschiedlich orientierter Hände hervor.