Anmerkung: In der praktischen Arbeit, die allen Texten vorausgeht und deren Ergebnisse immer wieder überprüft werden, ist es mit einigen Pferden zu Schwierigkeiten gekommen. Noch ist nicht klar, warum für manche Pferde anhalten überhaupt kein Thema ist, während andere sich standhaft weigern prompt das Tempo zurück zu fahren und ruhig zu stehen. Für einige ist es regelrecht zu einer Frage fehlender Zustimmung geworden. Deshalb erst einmal eine grundsätzliche Untersuchung. Erfahrungsgemäß ergeben sich aus genauem Hinschauen und wiederholtem Nachdenken neue Wege... Und es kann sehr gut sein, dass sie in erster Linie mit dem Sitz des Reiters zu tun haben und mit den zwei Welten, in denen das Pferd sich bewegt. Hier deshalb bis auf weiteres nur der schon veröffentliche Text...
Erst viele Monate (und engagierte Untersuchungen) später wurde klar, dass wenigstens bei Steinbrecht die ganze Parade eine Umkehrung der Anlehnung ist. Das heisst, um die beidseitig gleiche Anlehnung zur Reithand aufzunehmen bewegt das Pferd die Halsbasis vorwärts. In der ganzen Parade verlegt es sie zurück und verändert damit/-durch die Funktion der Hanken. Um das Pferd auf die Veränderung in der Plazierung seiner Teile vorzubereiten, macht er die Hinterbeine und Seiten des Pferdes auf gebogenen Linien einzeln geschmeidig und nennt Temopveränderungen in gebogener Stellung halbe Parade... Anhalten setzt sich so zunächst erst einmal durch mehrere halbe Paraden zusammen, bis das Pferd in der Lage ist gerade und gehoben auf den beidseitigen Zügelanzug direkt zu reagieren...
Bei Unstimmigkeit kann der Reiter auf die kombinierte Wirkung von Beinen, Beckenstellung und Ringfingern (den sogenannten effet d'ensemble) zurückgreifen. Die aufrichtende Wirkung der Reiterbeine bringen das Pferd in Hab-Acht-Stellung. Das Einziehen der Bauchnabels öffnet das Lumbosakralgelenk und verlagert den Schwerpunkt zurück. Das Heben der Schlüsselbeine hebt die Hand. Diese kombinierte Einwirkung bringen das Pferd ruhig und progressiv erst vermehrt in Aufrichtung und dann zum Stehen.
Schliessen der Finger und der Daumendruck sind dabei die Machtmittel in des Reiters Hand. Aber Vorsicht, das Pferd weiss genau wenn es gezwungen wird. Will es nicht anhalten ist der Gund häufig, dass die Hanken nicht stark und/oder elastisch genug sind, um in Haltung zu stehen. Anderseit kräftigt gerade das Anhalten, Stehen und wieder Anreiten die Hanken und macht sie geschmeidig.
Sobald das Pferd ruhig steht lässt der Reiter vorsichtig mit den Hilfen ab. Er entspannt die Finger, senkt die Hände, bringt den Bauchnabel zurück in die mittlere Stellung und entspannt die Beine. Und dann gilt es in Ruhe das gemeinsame Gleichgewicht zu halten. Das Pferd bleibt am Zügel und in Haltung und kaut. Zur Belohnung kann der Reiter die Zügel aus der Hand kauen lassen, wieder aufnehmen und dann wieder anreiten. Oder er reitet aus dem Halten in Haltung gleich wieder an.
Das Öffnen der Reiterbeine und -finger entlässt das Pferd in die Bewegung. Eilen und Klemmen sind beide Ausdruck mangelnder Kraft. Der Reiter achtet deshalb darauf, dass das Pferd in Ruhe antritt und fliessend, aber nicht zu schnell ausschreitet. So entwickeln sich die Muskulaturen und das Vertrauen wächst. Und was wenn das Pferd nicht antreten will? Dann stimmt etwas mit der Ausbildung nicht. Das Pferd ist demotiviert und der Reiter macht sich auf die Suche nach den Gründen...