Pinochio habe ich gestern nach diesem Plan nur einmal und, ohne groß darüber nachzudenken, mit einer anderen Zäumung geritten. Dabei ist der Hauptzügel am tiefen, weiten Nasenriemen und der Nebenzügel an einer leichten, sich zur Mitte verjüngenden Plastikstange ohne Anzüge verschnallt. Er war so zufriedener und hat sich bei der Führung an der linken Hand nicht mehr verworfen.
In der zweite Tour einige Stunden später hat er mit Sam auf seinem Rücken getragen. Geführt wurde er von Jitka. Sam hatte so die Gelegenheit sich bei weiteren Sitzübungen an Pinochio zu gewöhnen. Immer wieder stellen wir fest, dass Pferde die Sitzübungen der Reiter geniessen und dabei alleine schon besser werden.
Heute morgen konnte ich Pinochio sich auf der kleinen Weide freigelaufen sehen. Nachdem er gut anderthalb Stunden genüsslich gegrast hatte, packte ihn die Lebensfreude. Im rapiden Auf- und Ab hat er sich mit fröhlichem Bocken auf der Geraden und in schnellen Wendungen Luft gemacht.
Deutlich war zu sehen, wie das anfangs noch nicht gelöste rechte Hinterbein nicht ganz mitkam. Es wurde nicht klar, ob eine Verlangsamung der Nervenimpulse oder die Angst vor drohenden Schmerzen der Grund dafür waren? Erfahrungsgemäß haben solche Touren einen sehr viel höheren muskulären Trainingswert als fortgesetztes Wenden und Seitwärtstreten unter dem Sattel. Sie konsolidieren den Bewegungsablauf, stärken das Pferd und tun Wunder für seine Lebensfreude. Und - selbst wenn das schwächere Bein dann erst einmal schlimmer ist, laufen so Gesundung und Stärkung nach dem Überlebensprinzip der Natur ab. Dem Pferd wohnt ein Wissen um den Wert der Reiztherapie inne. Immer wieder erlebt wir, wie nicht sicher gerade gerichtete und noch schwache Pferde sich so ganz ohne Reiter positiv entwickeln.