Es geht um diese zwei Fragen. Two questions are involved.
Wie halte ich mein Pferd sicher, prompt und ohne Zügeleinsatz an. Und, wie bereite ich mein Pferd in der Bewegung auf ein anderes Tempo, eine neue Richtung oder eine Seitwärtsbewegung vor. Das heisst, was beim Reiten ist die Bremse und wie funktioniert die Kupplung?
How do I bring my horse safely and promptly to a halt without using reins? And, how do I prepare the horse - while it is moving - for a different speed, a new direction and/or a lateral movement. In other words, how in equitation do the breaks work, and how does the clutch function?
Vorerst hier eine Definiton der halben Parade, so wie sie immer wieder zu finden ist. "Die feine Anwendung - in dieser Reihenfolge - von Sitz, Beinen und Zügeln, die zeitlich durch einen Takt der gerade gerittenen Gangart getrennt wird. Die halbe Parade soll sowohl Aufmerksamkeit als auch Gleichgewicht des Pferdes verbessern". Diese Definiton schliesst ein, dass sich die ganze Parade aus mehreren halben Paraden zusammen setzt. Das zugrunde liegende Konzept entspricht dem Prinzip des französischen effet d'ensemble, mit dem der Reiter ein ungehaltenes und/oder ungezogenen Pferd anhält und zur Ordnung ruft. Zum Anhalten und/oder für Übergänge eignet sich die gegebene Anweisung meiner Erfahrung nach in der Praxis nicht. Vorallem deshalb, weil sie auf Gegeneinander beruht. Die Energien des Pferdes werden nicht kanalisiert, sondern unterbrochen.
For now here an often published definition of the half halt. "... ." This definition incorporates the idea that several half halts add up to a full halt. The underlying concept resembles the effet d'ensemble, which classical French riders apply to stop or call an unruly horse back to duty. In my own experience the above instruction and the definition from which it proceeds is not useful. For the most because it is based on conflict rather than co-operation. The horse's energy is not channeled but cut.
Es muss also noch andere Möglichkeiten geben, sich dem Pferd in Sachen Anhalten und Übergängen mitzuteilen. There must be other option, in other words, to halt and prepare a horse for transistions.
Zu den Begriffen. Es gibt das Halten, auch ganze Parade genannt. Und es gibt die sogenannte halbe Parade, die relativ schlecht definiert letztendlich alles und nichts sein kann. Die Idee, diese beiden Aktionen wie zuerst geplant in Halten und halbes Halten umzubenennen ist auch nicht besser. Vielleicht am zutreffendsten sind getrennte Begriffe wie Halten (was ja auch dem Thema Haltung Rechnung trägt) und Aufnehmen. Trotzdem treffen auch diese Benennung meiner Meinung nach den Kern nicht.
A word about terminology. Halting is not quite stopping. Stopping is a cut of energy. Halting implies coming to a stand-still, while maintaining a level of energy, which permits immediate re-depature. The half-halt on the other hands speaks of collecting energy while moving. The German equivalent to these terms are Parade and halbe Parade. They emphasize posture rather than energy. The French terms arrêt and demi-arrêt hint at muscular strength. Obviously all three - energy, posture and muscular action - are aspects of what here is spoken of. A truly telling, translatable and unified definition, which does justice to halting and collecting is to date still written in the stars.
Klar ist, es besteht ein riesiger Unterschied zwischen dem Anhalten eines Pferdes, welches zu schnell läuft und dem Parieren des Pferdes im perfekten Gleichgewicht. Die halbe Parade, die der Reiter dem stark vorwärtsgehenden Pferd gibt, hat nichts mit dem Signal zu tun, das ein Pferd in Selbsthaltung sofort versteht und prompt befolgt. Wert und Wirkung der verhaltenden Hilfen hängen in anderen Worten also nicht nur von Gangart und Tempo, sondern vorallem vom Gleichgewicht des Pferdes ab.
One thing, however, is obvious. The difference between stopping a horse, which runs too fast and halting a horse in perfect balance is paramount. The half-halt for a fast forward pushing horse is not the signal, which a horse in self-carriage understands and implements in an instant. Benefits and effects of retaining aids thus appearantly not only apply to speed and pace. They also change with the horse's balance.
Und es kommt darauf an, was ein Reiter von seinem Pferd will. Ein Vielseitigkeitspferd geht wahrscheinlich am besten in relativ fester, steter Anlehnung. In dem Fall wird der Reiter beim Parieren die Zügel anziehen. Vorm Sprung wird er die Beine zumachen und erwarten das das Pferd den Sprung anzieht. Der Stierkämper ist mit den Händen anderweitig beschäftigt. Er kontrolliert die Geschwindigkeit seines Pferdes mit dem Schliessen der Beine und/oder dem Anziehen des Kreuzes.
And, - the rider's intention makes a big difference. Cross-country and over jumps a horse may do best in a firm and steady contact. To stop this horse the rider will pull on the reins. He will close his legs to advance it towards the jump. The bullfighter, on the other hand, is otherwise busy with his hands. He controls the horse's speed and direction with legs and seat.
Will man der Frage, wie verhaltende Hilfen denn nun überhaupt zustande kommen, auch bei verschiedener Nutzung des Pferdes gerecht werden, macht es deshalb wahrscheinlich keinen Sinn, Halten und Aufnehmen mit klar umrissenen Konzepten zu verbinden, die so und nur so zur Durchführung kommen. Ohne grössere Schwierigkeiten lassen sich hingegen Zusammenhänge aufdecken, die nicht nur Klarheit in das Thema bringen, sondern auch eine geordnete Idee für alle verhaltenden Hilfen nahelegt, die in der Physiologie des Menschen und des Pferdes wurzelt.
To do justice to both, the question of how retaining aids actually come about and how they work with ulterior uses of a horse, one may have to abandon the idea of one practice applying to all. Without much trouble, however, it is possible to come up with information, which not only sheds further light on the subject, but in turn suggests one definition, which is rooted in human and equine physiology.
Und eines wird schnell offensichtlich. Vom Standpunkt der Sicherheit wird man dem Schliessen der Beine als einzigem Mittel, welches widerspruchsfrei der Physiologie des Pferdes entspricht, zum Anhalten den Vorrang geben müssen. Denn nicht nur sind die Hände dann frei sich mit ihrer eigentlichen und einzig legitimen Aufgabe zu beschäftigen, dem Pferd durch ein sanftes Gespräch mit Unterkiefer und Zunge zu helfen. Halten nur mit den Beinen vermeidet auch das antagonistische Blockieren der Hinterbein. Das ist jedoch noch nicht alles. Schliesslich kann es auch vorkommen, dass der Reiter seinen Sitz verliert und, um nicht vom Pferd zu fallen, spontan die Beine schliessen muss. Für diesen Fall alleine sollte, ja muss das Schliessen der Reiterbeine ein Signal zum Anhalten, und nicht wie beim Springen üblich zum Vorwärtsgehen sein.
And, it becomes appearant that - viewed from a safety point of view - closing the rider's legs for halting is the only aid, which fully accords with the horse's physiology. Not only are the rider's hands then free to aid the horse in a gently conversation with its jaw and tongue. Using legs in place of hands to bring the horse to a stand-still also eliminates the practice of blocking the horse's hind legs antagonistically. But that is not all, for after all riders do loose their balance and - to stabilize - must close their legs. In this instance the rider's legs ought to, no must signal stopping, rather than going forward as is customary in jumping.
Kommen wir zu unserem eigentlichen Anliegen zurück. Wie halte ich mein Pferd sicher, prompt und ohne Zügeleinsatz an? Der genannte Widerspruch im Einsatz der Beine löst sich mit der Unterscheidung der verschiedenen Funktionen im Bein des Reiters auf. Denn er braucht zum Anhalten nicht das ganze Bein. Wenn Pferd und Reiter im Gleichgewicht sind reicht das Schliessen die Oberschenkel. Das legt auch die Vermutung nahe, dass die Oberschenkel des Reiters auf die Vorhand des Pferdes einwirken und das Pferd sein Tempo nicht mit den Hinterbeinen, wie weithin angenommen, sondern in der Vorhand kontrolliert. Eine Untersuchung der Anatomie und reiterlicher Zusammenhänge unterstützt diese Vermutung. Und auch die anderen Funktionen der Reiterbein werden so schlüssig. Die Oberschenkel sprechen die Vorhand an, die Fesselgelenke und Fußballen die Hinterbeine. Damit das Pferd vorwärts gehen kann öffnen sich die Knie. Das Schliessen des gesamten Reiterbeins ist eine Maßnahme, die der Wirkung des effet d'ensemble gleichkommt.
Returning to our original question. How does the rider safely and promptly halt a horse without any use of the reins? In this context any contradictions in the use of the rider's legs resolve with the recognition of their different functions. One needs not apply the whole leg. On a well balanced horse closing the thighs will do. The implication here is that the horse's speed control rest in the forehand. By the same token the rider's thighs impact the speed control in the horse's forehand, and not - as customarily assumed - the hindquarters. Any investigation of equine anatomy supports this view. It sheds as well light on the other functions of the rider's legs. Thighs speak to the forehand, hocks and the balls of the feet address the hind legs. The opening of the knees permits the horse to go forward. Closing the leg from hips to heels, on the other hand, resembles the effet d'ensemble and its contradictory value.
Also, der Reiter hält das Pferd durch den adäquaten Einsatz seiner Beine an. Auf dem vorwärtsdrängenden Pferd wird er auch die Zügel anziehen müssen. In der Praxis reicht jedoch häufig schon ein Ausatmen um ein Pferd anzuhalten. So gut wie jeder Reiter weiss das aus Erfahrung. Und darauf wird noch einmal zurückzukommen sein. Aber was ist denn nun mit den halben Paraden beim Reiten, mit der Funktion, die im Auto die Kupplung übernimmt?
To sum up, the rider halts the horse with the adequate use of his legs. On the fast forward pushing horse he may have to add pulling the reins. In practical terms, however, often a simple exhale halts the horse. Practically all riders know this from experience. This fact we will return to later. But, for the time being, what about the half-halt? The function of the clutch in equitation?
Es ist absolut erstaunlich, wie gut Übergänge auf blosses Einatmen hin auf einem Pferd im Gleichgewicht funktionieren. Praktisch sieht das so aus. Während einer bestehenden Gangart und/oder Übung sitzt der Reiter in Mittelposition, und zwar in jeder Hinsicht. Der Bauchnabel ist in der Mitte, die Atmung ruhig. Er sitzt still mit mittlerer Körperspannung und ist bei der Sache. Dann, - langsam einatmen. Dabei dehnt sich die Vorderseite des Oberkörpers nach oben und die Absätze senken sich. Als nächstes langsam die Anweisung für die neue Gangart/Übung geben. Sobald das Pferd die Ausführung übernommen hat, und das ist im Normalfall prompter als erwartet, kehrt der Reiter zurück zur Mitte und überlässt die Übung dem Pferd.
It is absolutely amazing, how well a rider's simple inhale speaks to the well-balanced horse. In practical terms it works like this. During a given pace and/or lesson the rider sits in balance. His belly button is in center position, his breath is calm. He is well seated. Muscles are neither tense nor lax. He pays full attention. Then, from this position, the rider slowly inhales. In the process the body's front side moves up and heels move down. Next, he slowly issues the new instruction. As soon as the horse takes over (which often is sooner than expected) the rider returns to center position, leaving the lesson to the horse.
Genauso erstaunlich ist, dass dieses einfachste aller Signal überhaupt nicht auf dem Pferd funktioniert, welches zwischen Tragen und Schieben nicht unterscheiden kann und sein Gleichgewicht nicht entsprechend beherrscht. Egal ob schnell oder langsam, Heben und Strecken des Reiters tun nichts. Solch ein Pferd verlangsamt das Tempo auf Zügelanzug, welcher den Antrieb der Hinterbeine ausschaltet. Es kann ohne Zwang keine Übergänge leisten. Eine noch andere Situation und Ausgangslage entsteht, wenn das Lumbosakralgelenk des Pferdes zu wenig oder zu weit geschlossen ist. Dann ist der freitragende Rücken entweder unstabil oder er blockiert in zu stark angehobener Position. Solche Pferde schwimmen, im ersten Fall, oder buckeln los, im zweiten Fall. In beiden Fällen sind sie den verhaltenden Hilfen des Reiters nicht zugänglich.
Just as astounding, this simplest of signals does not work with unbalanced horses. Mounts that are not able to distinguish between pushing their weight forward and supporting it, consequently do not know how to balance accordingly. No matter what the speed, on such horses the rider's elevation does nothing. They stop on a pull of the reins, responding to a corresponding deactivation of the hind legs. They are not able to deliver lateral movements without force and/or support. Yet another situation evolves when the horse's lumbo-sacral joint is too open or closed too much. In such horses the cantilevered back either does not stabilize or blocks in mounted position. They swim or buck, respectively. In both cases they do not respond to the rider's retaining aids.
Zusammenfassend lässt sich bis auf weiteres folgendes festhalten. Das Schliessen der Oberschenkel hält das Pferd an. Häufig reicht es jedoch auszuatmen. Dabei schliessen sich automatisch die Hüftgelenke und genau das gleiche Resultat ist erzielt. Es ist das Schliessen des Sitzes, welches durch das Anziehen des Kreuzes verstärkt werden kann. Beim Einatmen hingegen öffnen sich die Hüftgelenke und die Schlüsselbeine heben sich. Das Pferd spürt, reagiert und aktiviert sich und ist für einen Übergang bereit, den es ausführt sobald die entsprechende Anweisung kommt. Es handelt sich beim Thema verhaltende Hilfen also weniger um Tempo als darum, die Energie des Pferdes zu regeln. Diese Reglung lässt sich mit dem Atem des Reiters koppeln.
Summary. Closing legs halts the horse. Often exhaling suffices. In the process the rider's haunches close and the same thing is accomplished. Spoken of is the so called closing of the seat. Inhaling, on the other hand, opens the rider's haunches. Collar bones rise. The horse activates and is prepared for a new lesson. Retaining aids in other words are less about pace and/or speed, as they are about energy. The horse's energy may be regulated by the rider's breath.
Klar wird auch, dass in der Reiterei die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter einem geschlossenen körperlichen Zusammenhang unterliegen. Und hier gehen die Untersuchungen weiter. Was bewegt sich sonst noch wenn der Reiter einatmet, ausatmet oder eine Seite öffnet? Was tut die psoas ? Wie übertragen sich die Kernelemente der Körpersprache Reiten auf das Pferd. Auch der Einsatz von Beinen und Händen gehen natürlich vom Kern aus. Nur, warum soll der Reiter weiterhin im Stil der 20. Jahrhunderts mit seinen Extremitäten Druck ausüben, wenn das Pferd Kernsignale des Körpers mit grösserer Präzision und Wirkung versteht.
Evidently in equitation the communication of horse and rider works within closed circuits, which typifies the body and its functions. And here is where research will continue. What else moves when the rider inhales, exhales and/or opens his sides? What happens in the psoas? How do key elements of the rider's body language transfer to the horse? Movements of hands and legs of course also originate in the core. Why, however, should riders today continue in the style of the 20th Century and impose pressure with their limbs if horses understand core signals with greater precision and effect.
Die Suche nach diesen Antworten ist nicht neu. Schon der Zeitgenosse de la Guérinères du Paty suchte danach. Nur sind wir, was Grundkenntisse anbelangt, heute etwas weiter. Doch haben wir es heute mit einem anderen Pferd zu tun. The quest for these answers is not new. Du Paty, the contemporary of de la Guérinière, looked for them. However, today more basic information is available. On the other hand we now ride another horse.
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