Der Leser wird meinen Ansatz erkannt haben.
Bei der Erforschung der Reiterei und deren physiologischen Grundlagen habe ich nach dem Ideal gesucht. Nur gelegentlich gehe ich auf die Realitäten des modernen Reitsports ein. Ich habe in Platonischer Tradition in erster Linie nicht versucht zu verstehen, was ich sehe, sondern das zu begreifen, was dem Gesehenen zu Grunde liegt. Dieses Streben nach der Idee, die dem Offensichtlichen innewohnt, hat sich als richtig erwiesen. Meine Thesen wurden von den Forschungspferden und den Wenigen, die bisher mitgeforscht haben, als brauchbar bestätigt. Auch die Berichte gelegentlicher Testreiter weisen in die gleiche Richtung. Mein Vorgehen und die daraus resultierenden Ergebnisse haben in mir zudem eine ganz neue Welt des Vertrauens in den, der alles erschaffen hat, bewirkt.
Das moderne rechteckige Pferd ist nicht gerade. Die Herausforderung lautet deshalb: Wie können wir es geraderichten, ohne es dabei in seinem Allerinnersten zu verletzen?
Die Haltung des modernen Menschen ist nur selten aufrecht und die weit verbreitete und vorherrschende Unwissenheit um reiterliche Vorrichtungen im menschlichen Körper spricht für sich. Die Frage stellt sich deshalb, ob der Mensch das Reiten heute noch erlernen kann, und – wenn ja - wie er das moderne Pferd reiten soll. Haben Reiter und Pferd angesichts der heutigen Lebensumstände überhaupt noch eine Aussicht auf Einklang?
Schon vor Abschluss dieses Textes und während der Vorbereitungen des Folgetextes über die nervlichen Übertragungen zwischen Reiter und Pferd haben sich folgende weitere Forschungsfelder ergeben: “Wie Reiten lehren und lernen?” und “Wie das moderne Pferd verbessern?” Die unausgesetzte Wechselwirkungen zwischen Reiter und Pferd legen eine gleichzeitige Betrachtung auch dieser zwei Themen nahe.
Offensichtlich ist, dass diese weiteren Themen nicht – wie bisher geschehen – weitgehend von einem Reiter, nämlich mir, bearbeitet und bewältigt werden können. Vor allem die Untersuchung des reiterlichen Bewegungsapparats, seiner Tauglichkeit und/oder Wiederherstellung kann nur auf der Beteiligung zahlreicher Reiter beruhen. Ich füge deshalb einen ausführlichen Bericht über die Erfahrungen mit einer Probandin bei. Mit ihm möchte ich Ihnen, verehrte Leser, eine Vorstellung dessen vermitteln, was Sie bei einer möglichen Forschungsbeteiligung erwarten mag.
Erfahrungsbericht über die Arbeit mit einer Probereiterin
Dies ist mein Bericht über eine deutsche Reiterin, die sich im kommenden Jahr an der Forschung des Study-Horsemanship “Wie Reiten lehren und lernen” beteiligen möchte.
Der erste Ritt. Nach einigen unbedeutenden Korrekturen ist ihr Sitz im Gleichgewicht und die Beine hängen frei. Die Hände sind jedoch weiterhin heruntergedrückt und bewirken die Verkrampfung des vorgeneigten Oberkörpers. Mit dem Heben der Hände entspannt sich der Oberkörper. Die Linkswendungen sind gut. In den Rechtswendungen wendet sie ihre Schultern nicht in die Bewegungsrichtung, sondern fährt fort dem Pferd die Linkswendung anzudeuten. In anderen Worten, links herum kommt die äußere rechte Schulter vor, in der Rechstwendung kommt nicht, wie es korrekt wäre, die linke, sondern ebenfalls die rechte Schulter vor. Hinzu kommt eine Tendenz den Oberkörper zum Ausgleich nach rechts zu lehnen.
Der zweite Ritt. Die Probandin bittet um die Erlaubnis, einen Ausritt zu machen. Unterwegs kommt es zu Schwierigkeiten. Das Pferd zeigt Anzeichen von Ungehorsam. Angst kommt auf und sie kehrt nach Hause zurück.
Der dritte Ritt. Wir beginnen mit einer ausgedehnten Schrittreprise, während der ich hinter ihr her laufe. Sie korrigiert, was ich melde. Das heißt, sie bringt ihre Mittelpositur vor sowie das Becken ins Gleichgewicht und kann so die Wirbelsäule aufrichten. Sie hebt die Hände, bringt sie näher zusammen und trägt sie vor sich her, als halte sie zwei Kerzen. Sanft lehnen ihre entspannten Arme am Brustkorb und stabilisieren sich so.
Sie beginnt, ausgesessen auf einem Zirkel linke Hand zu traben. Ihr Pferd tritt ungleich. Grund hierfür ist - deutlich sichtbar - ein zögerndes rechtes Hinterbein. Sie beginnt diese Unregelmäßigkeit im Leichttraben zu korrigieren. Dazu bleibt sie alle paar Tritte einmal sitzen, verlegt so fortlaufend die Belastung von einem auf das andere und aktiviert damit das ‘faule’ Hinterbein.
Beim Wechsel auf die rechte Hand melden sich die Probleme vom Vortag wieder. Erfolglos setzt sie eine ganze Reihe von Maßnahmen ein, die alle auf eines hinauslaufen. Sie versucht die unbewussten falschen Anweisungen an das Pferd durch muskulär gestützte, weitere stukturelle Verbiegungen zu korrigieren. Als alles nichts nützt, beginne ich wieder hinter ihr her zu laufen und Rückmeldung darüber zu geben, was ich sehe.
Von dem, was ich aus diesem Blickwinkel sehe, ist Einiges die unmittelbare Folge der Schiefe des Pferdes, während Anderes aus einer falschen Korrektur dieser Schiefe und der Schiefe des Reiters zu resultiert. Ich kann diese drei Ursachen deshalb gut unterscheiden, weil ich die guten und die schlechten Lebenserfahrungen dieses Probepferdes genau kenne, weil ich dieses Pferd vor dem Proberitt selbst geritten und weil ich ähnliche Erfahrungen zu Pferd gemacht habe.
Die Korrektur ist einfach. Sie läuft auf eine diagonale Dehnung des Reiters durch das Senken des rechten Absatzes und das Vorbringen des alleräußersten Punktes der linken, zu diesem Zeitpunkt äußeren Schulter hinaus. Diese wird durch den führenden linken Zügel bei leicht angehobener Hand unterstützt. Nach nur wenigen Augenblicken beginnt das Pferd die diagonale Dehnung des Reiters nachzuahmen und das rechte Hinterbein stärker zu belasten. Und – allez hop – eine Tür öffnet sich. Die resultierende, wie selbstverständlich wirkende Leichtigkeit und völlige Zustimmung des Pferdes überrascht und erfreut die Reiterin.
Meine Vorgehensweise findet sich so bestätigt.
Bitte erfragen sie alle praktischen Einzelheiten einer möglichen Forschungsbeteilung bei c.sander@st-ho.com
Comments