Eine Darstellung des equiden Bewegungsapparats ist nur vollständig, wenn man ein weiteres Thema mit einbezieht: Die verschiedenen Nervensysteme des Pferdes.
Mensch und Pferd gehören der Spezies Säugetier an. Die Funktionen dieser Spezies beruhen auf dem sensorisch-motorischen System, welches im Gehirn gleich unter der Schädeldecke beginnt und quasi als innerer Stamm des zentralen Nervensystems im Rückenmark verläuft.
Gehirn und Rückenmark befinden sich in den Knochenstrukturen des Schädels und der Wirbelsäule und werden durch sie geschützt. Sie sind von einer aus drei Lagen bestehenden Haut, der Dura mater, umhüllt. Eine zirkulierende Nährflüssigkeit in der Dura mater sorgt für weiteren Schutz.
Die Nervensysteme der Säugetiere bestehen aus sensorischen und motorischen Fasern. Erstere übermitteln sensorische Eindrücke vom Körper an das zentrale Nervensystem. Letztere vermitteln motorische Anweisungen vom zentralen Nervensystem an den Körper. Ebenso fließen Nervenimpulse auch zwischen den Nervensystemen der Säugetiere. Diese sind, zusätzlich zum zentralen das autonome Nervensystem, welches die Organfunktionen steuert, und das periphäre Nervensystem, welches Sinnesorgane, Rumpf, Glieder und die Haut innervieren.
Die prominentesten periphären Nerven werden am vorderen und hinteren Ende der freitragenden Wirbelbrücke des Pferdes und entsprechend am oberen und unteren Ende der menschlichen Wirbelsäule in Nervenbündeln, sogenannten Plexi, gesammelt. In diesen Bündeln mischen sich ihre Fasern. Die so entstehenden neuen Faserkombinationen erstrecken sich entsprechend der unzähligen Nervenfunktionen, derer es bedarf, um den Willen eines Lebewesen auszuführen, bis in des Körpers äußerste Enden.
Das autonome Nervensystem bestimmt die Aktivitäten der Organe und unterstützt so die Anweisungen des Willens, ohne jedoch selbst dem Willen zu unterstehen. Es besteht aus motorischen Fasern, die in der Regel in den Wänden der großen Blutgefässe zu den Organen verlaufen. Zwei Komponenten des autonomen Nervensystems, der Sympathikus und der Parasympathikus, teilen sich die Aufgabe, die Tätigkeiten des Herz- und Lungentrakts sowie der Verdauungs- und Geschlechtsorgane zu regulieren. Sie wirken auch auf die Drüsensysteme ein.
Im Rahmen dieser Regelung übernimmt der Sympathikus das Hochfahren der Energie. Der Parasympathikus fährt die Energie herunter und ist für die Entgiftung des Körpers und die Erneuerung seiner Kräfte zuständig. Während der Parasympathikus außerhalb und parallel zur Wirbelsäule verläuft und dem zentralen Nervensystem nur im Genick und im Kreuzbein verbunden ist, ist der Sympathikus dem zentralen Nervensystem vom oberen Halswirbel (C1) bis zum Kraftzentrum (L4) in jedem einzelnen Nervenabschnitt verbunden. Im Brustbereich verläuft er von T3 bis T18 zudem in einem doppelten Strang.
Macht man sich klar, dass jedes Säugetier (also der Mensch ebenso wie das Pferd) von nicht einem, sondern drei Nervensystemen innerviert wird, so lässt sich unschwer vermuten, dass alle drei auch beim Reiten eine Rolle spielen. Und genau so ist es.