Und hier nun der Schlüssel zur Bewegung des Pferdes.
Wenn man Pferde betrachtet, die sich frei und auf eigene Faust bewegen, kann man nicht anders, als folgende Beobachtungen machen.
1. Sie nehmen selten, wenn überhaupt das horizontale Gleichgewicht und die Dehnungshaltung ein, die in der Ausbildung der Pferde heute so beliebt sind.
2. Nur in kurzen Augenblicken erhöhter Konzentration, Anstregung und/oder Aufregung schließen sie das Genick.
3. Bei der Bewältigung von Schwierigkeiten, wie tiefen Böden oder schnellen Wendungen, senken sie niemals die Halsbasis, sondern - ganz im Gegenteil - heben diese.
4. Zur Bewältigung tiefer Böden und schneller Wendungen schließen sie die Kruppe und gehen in den zweiten Gang. Dasselbe tun sie um sich über der Erde zu tummeln.
5. Sie wechseln von geöffneter zu geschlossener Kruppe ohne erkennbare Unterbrechung des Bewegungsablaufs.
6. Sie scheinen sich zu jeder Zeit darüber im Klaren zu sein, wie stark sie das Genick beugen und/oder das Kreuzbein senken müssen. In anderen Worten, sie wissen ganz genau, wieviel Druck sie auf das lange Band von vorne oder von hinten ausüben müssen, um einen bestimmten Coup landen zu können.
7. Sie kommen nie aus dem Takt, verlieren nie den Grund unter den Hufen und lassen nie auch nur einen Tritt aus, selbst auf den unebensten Böden.
Beobachtet man diese schier unglaubliche Bewegungsqualität selbst eines eher mittelmäßigen Pferdes im Freilauf, drängt sich die Frage auf, warum das Pferd, welches auf sich selbst gestellt mit einer solch vorzüglichen Leistung aufwartet, unter dem Reiter Schwierigkeiten haben sollte.