"Ständiger Muskeleinsatz beim Treiben ist schlicht dumm". man fragt sich wie Nuno Oliveira das so eindeutig formulieren konnte? Schliesslich kommt es jedem Reiter einmal vor, dass er sein Pferd ständig treibt. Häufig ohne es recht wahrzunehmen.
Reiten ist Bewegung. Möchte sich ein Pferd unter dem Reiter nicht bewegen (hat es also sowohl seinen Vorwärtsdrang als auch seine Bereitschaft die Impulse des Reiters in Bewegung umzusetze aufgegeben) so hat es einen Grund hierfür. Die Ursache/n sollte der Reiter kennen und nicht aus den Augen verlieren. Ist der Grund eine Schwäche des Pferdes gilt es gezielt und langsam aufbauend vorzugehen. Ist der Grund ein Sitzfehler des Reiters gilt es dessen Ursachen zu erkennen und gezielt zu beheben. Ist das Pferd frustriert (und hierfür gibt es etliche Gründe), dann sollte der Reiter herausfinden, wie er dem Pferd Mut zusprechen kann.
Häufig jedoch gründet sich das Nichtvorwärtswollen nicht auf solche zum Teil ernst zu nehmen Ursachen, sondern stellt sich bei prompter Aufforderung als physiologische oder psychologische Eintagsfliegen heraus. Deshalb der Rat, zunächst keinerlei (!) muskuläre Aktion einzusetzen, sondern das Pferd einmal aber deutlich mir der Reitgerte aufzufordern. Die reiterliche Umgangssprache nennt dies: "Das Pferd in die Gänge bringen", am besten so, dass diese Aufforderung nicht noch einmal wiederholt werden muss.
Handelt es sich um eine Kombination ernst zu nehmender Schäden und einem entsprechend hohen Frustrationsgrad dann kann es vorkommen, dass ein Reiter ohne wiederholten Muskeleinsatz nicht ganz auskommt. Für diesen Fall sollte der Reiter zwei physiologische Zusammenhänge kennen.
1. Klemmen und Eilen sind zwei verschiedene Ausdrucksweisen ein und des selben Problems. Beide sind der Ausdruck von Schwäche.
2. Im Normalfall führt das Pferd die muskulären Impulse aus, die der Reiter in die Wege leitet.
Um die Zusammenhänge dieses in der Praxis wohl bekannten Umstandes verstehen und nutzen zu können
- sieht man sich zuerst die Beschaffenheit der aufrechten menschlichen Wirbelsäule, des Rückenmarksstamms und des motorisch-sensorischen Systems in ihrem Kern an und probiert aus, dass und wie man dieses Gesamtsystem nach oben dehnen kann
- probiert man aus, wie man durch immer weiteres Absenken des Absatzes das Fliessen der Impulse in den Beinen positiv beeinflussen kann
- und versteht, dass es beim Treiben um das gleichmäßige Fliessen muskulärer Impulse geht, die der Reiter in die Wege leitet, jedoch das Pferd ausführt.
Aus diesem physiologischen Zusammenhang erklärt sich alles, was man gute Reiterei nennt. Wenn dieses Fliessen der Impulse nämlich geklärt ist, dann hat der Reiter unter sich ein Pferd, welches ohne seinen natürlichen Vorwärtsdrang abzuschalten die Impulse des Reiters abwartet und sie wie und wann gewünscht gewissenhaft und kommentarlos ausführt.
Nun aber noch einmal zum Thema Klemmen oder Eilen. In beiden Fällen ist eben dieser Zusammenhang gestört und je nach Situation und Temperament setzt das Pferd den Fluchttrieb oder die Verweigerung ein, um den Ursachen des Problems zu entgehen.