Aus dem Studium der Dermatome und der Haltungen von Reiter und Pferd ergeben sich reiterliche Vorgehensweisen, die in der Praxis als dem Pferd spontan verständlich erweisen. Diese werden in diesem Text untersucht und dargestellt.
Treiben und Parieren
Es stellt sich heraus, dass ein tiefes Durchdrücken der Absätze von allen Pferdes spontan als Signal zum Anhalten verstanden wird. Es ähnelt dem des Westernreiters im sliding stop, in unserem Fall bleibt jedoch der Kontakt der Reiterbeine zu den Seiten des Pferdes erhalten.
Wie nun erklärt sich die Tatsache, dass das Pferde die genau selbe Einwirkung auch versteht, wenn der Reiter sie zum Antraben einsetzt? ....bedarf weiterer Untersuchungen....sagt etwas über die Einwirkungen des Reiters in der halben Parade aus.... (siehe unten)
Praktisch hat sich daraus eine genauerer Untersuchen des 'anderen Treibens', dass heisst des Wadendrucks, (wie dieser durchgeführt wird und was er bewirkt) ergeben. Und es stellt sich heraus, dass ein ruhiges, fast sanftes Umfassen des Pferdes mit locker hängendem Bein und untem angelegtem Bein alle Pferde spontan vorwärts gehen lässt. Alerdings muss der Reiter gleichzeitig seinen unteren Rücken runden und die Oberschenkel lockern.
Den einseitigen direkten Wadendruck scheint das Pferd als Aufforderung zum Seitwärtstreten gut zu verstehen. Einen beidseitigen Wadendruck scheint es als Aufforderung den Kruppenschluss beizubehalten zu verstehen.
Die Zügelführung
Die physiologisch adäquate Zügelführung wird dem Einsteiger am schnellsten schlüssig, wenn er folgende Aspekte klar unterscheidet:
1. Die Rolle der Zügel in der Mitte des Halses.
2. Die Einwirkung der Ringerfinger auf den Unterkiefer des Pferdes
3. Die durch die Schiefe des Pferdes entstehende Sonderrolle des rechten Ringfingers am Unterkiefer und des linken Zügels am Hals des Pferdes
Die korrekte Zügelführung lässt sich dann so darstellen.
A. Grundstellung:
1. Zügel und Ringfinger haben unterschiedliche Rollen
2. Der innere Ringfinger stellt das Genick.
3. Der äusseren Zügel führt das Pferd.
4. Die Grundspannung der inneren und des äusseren Zügels ist gleich.
B. Wendungen:
1. Das Pferd läuft an der Führung des äusseren Zügels, welche automatisch durch das Wenden der Reiterschultern entsteht.
2. Der innere Ringfinger bewacht die Stellung des Genicks, ansonsten ist er untätig. Auf keinen Fall wird das Pferd vom inneren Ringfinger am Gebiss geführt, da dies auf Dauer das innere Hinterbein blockiert.
C. Reiten auf der geraden Linie:
1. Der Pferdehals wird gleichmäßig von beiden Zügeln eingerahmt.
2. Der Kontakt des Pferdes zu den Ringfingern des Pferdes ist auf beiden Seiten gleich stark.
D. Sondereinsätze:
1. Der rechte Ringfinger ist unabhängig von den Grundstellungen durch sanfte Bewegungen immer bereit auf das meist schwächere und ungeschicktere rechte Hinterbein einzuwirken. Es kann aber auch das linke Hinterbein sein, welches durch die Einwirkung des Ringfingers auf den gelösten Unterkiefer des Pferdes Unterstützung braucht.
2. Der linke Zügel muss zu Beginn der Geraderichtung meist vermehrt auf die Mitte des Halses einwirken, um die Halsbasis in den Wendungen und auf den geraden Linien in die Mitte des Rumpfes zu bringen und zu halten.
Biegen und Wenden:
Nachdem ich jahrelang das Biegen des Pferdes vehement abgelehnt und mich auf die Geraderichtung konzentriert habe ist Biegen nun, angesichts Fabians Fortentwicklung doch fällig geworden. Auch deshalb, weil klar wurde, dass nur das Biegen des Pferdes im flexiblen Mittelteil die Elastizität der freitragenden Wirbelbrücke herstellen kann, die das Pferd braucht, um die Feinabstimmung zwischen dem Schliessen des Sakralgelenks, dem Federn der Hanken und dem Heben des Rückens ganz zu beherrschen.
Und mit großem Staunen nehme ich wahr, dass er den nur wenig und ohne muskuläre Anspannung zurückgelegten äusseren Unterschenkel spontan als Hilfe zum engen Abwenden versteht und sich dabei biegt. Das heisst, ich lege den äusseren Unterschenkel zurück und ohne jede weitere Einwirkung geht er gerne auf eine kleine Volte. Er beginnt die Volte in schöner Längsbiegung und sein Körper zeichnet die Linie auf der er geht nach, dann geht er zur Rippenbiegung über, am Ende der Volte geht er zurück zur Längsbiegung und, wenn ich ihn dann mit dem äusseren Ringfinger geradestelle, geht er gerade aus weiter. Na, das war ja einfach. Bisher klappt es nur im Schritt auf beiden Seiten sicher. Der Trab, vielleicht auch erst der Jog kommt als nächsten.
Nach einigen Volten und kleinen Achten hat er im anschliessenden Trab in spürbarer Anlehnung hochaufgerichtet den Unterkiefer immer wieder gelöst und hat er sich mit gut geschlossenem Mittelteil mobilisiert. Bei der Wiederholung stellt sich heraus, dass die Biegungen ihren Wert nur entwickeln können, wenn das Pferd sich zuvor gut gerade gerichtet hat und vorwärts geht.
Die halbe Parade:
Wie oben angedeutet parieren die Pferde gut auf das Durchdrücken der Absätze ohne dabei viel Gewicht auf die Bügel zu bringen, wenn man gleichseitig den unteren Rücken rundet. Diese Hilfe verstehen sie auch zum Antreten. In beiden Fällen braucht man im Normalfall keinen Zügel einsetzen. Man bringt so das Pferd zum Stehen (ganze Parade) und erreicht so auch das erneute Anreite. Was wann fällig ist ergibt sich aus dem Gesamtzusammenhang. In beiden Fällen wird das Sakralgelenk des Pferdes angesprochen und die Nervenabschnitte S2/3 (genaue Darstellung folgt).
Bei der halben Parade passiert nicht anderes, nur kommt eine Aktivierung des gesamten Bewegungsapparats hinzu. Sie wird durch das Heben des Reiterrückens von C2 und die Einwirkung der Ringfinger (C8) ausgelöst. Die Ringfinger haben durch die Zügeleinwirkung eine direkte Auswirkung auf Kreuzbein und Sakralgelenk. Sie scheinen aber auch auf den Nervenabschnitt C8 am vorderen Ende der Wirbelbrücke und auf die Halsbasis einen Einfluss auszuüben.
Zugegebenermaßen habe ich bisher wenig Erfahrung mit dem Einsatz der halben Parade. Mit Fabian mache ich die Erfahrung eines erhöhten Inpulsaustausches durch gestrecktes aufmerksames Sitzen und wenn ich dann die Ringfinger im richtigen Augenblick ganz zart einsetzte gewinne ich einen direkten Einfluss auf seine Hinterbeine. In dem Augenblick muss ich gut aufpassen, dass ich mit meiner Hand keine Taktfehler verursache. Auch Secret Taboo versteht mich trotz großer Folgeschäden verfrühten Renntrainings in genau diesem Sinn. Bei ihr muss ich aufpassen, dass sie der Belastung ihrer Hinterbeine nicht durch Schrägstellen der Kruppe ausweicht.