Damit das Reitpferd dem Reiter im zweiten Gang voll zur Verfügung steht, muss es in allen Teilen seines Körpers gerade gerichtet sein. Warum? Im zweiten Gang mobilisiert sich das Pferd. In diesem Zustand erhöhter Kraft sollte es nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen allen Anweisungen des Reiters prompt folgen. Dieses kann es nur, wenn die Nervenimpulse zwischen dem Nervenabschnitt C8 und dem Sakralgelenk L6-S1 am vorderen und am hinteren Ende der freitragenden Wirbelbrücke frei fliessen. Geht das Pferd vor der entgültigen Geraderichtung in den zweiten Gang, so fühlt es sich an wie ein schnelles Fahrzeugs mit verzogener Karrosserie: seine Bewegungsrichtungen lassen sich nicht bestimmen.
Eine Gesamtdarstellung der physiologischen Eigenarten des zweiten Ganges finden Sie in den Ausführungen zum zweite Ausbildungsziel. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass der im Study-Horsemanship so genannte zweite Gang dem Pferd (jedem Pferd) innewohnt und als solches kein Ausbildungsziel ist. Folgerichtig kommt es vor, dass ein Pferd ohne Warnung oder Vorbereitung sich unerwartet aufrichtet und in den zweiten Gang geht. Richtet es sich dabei spontan auch gerade dann erübrigen sich viele Bemühungen. Der Nervenabschnitt C8 in der Mitte der Vorhand des Pferdes und die Nervenabschnitte S2/3 im Sakralgelenk stehen in ungestörtem Kontakt. Der Reiter hat das Pferd am Ringfinger (dessen Hülle vom Dermatom C8) und unter seinem Hintern (dessen Haut von den Dermatomen S2 und S3 innerviert wird). Er hat das Privileg die Reiterei so zu erleben, wie sie wohl ursprünglich gedacht gewesen sein muss.