Impressum Again

Die Klärung reiterlicher Begriffe erscheint hier in logischer Reihenfolge. Viele Begriffsklärung sind unter den entsprechenden Begriffen in den Haupttexten verlinkt.


Zurück zur Eingangsseite

Historische Grundlagen

Die berühmte deutschen Ausbildungsskala
'Takt-Losgelassenheit-Anlehnung-Schwung-Geraderichtung-Versammlung' - eine Liste Stichwort artiger Erinnerungsbegriffe für den Reiter - entspricht der Physiologie des modernen Pferdes. Die aufgeführten Begriffe sind jedoch in dieser Kürze nicht voll verständlich und die Liste enthält nicht alle Ausbildungsschritte. Sie vernachlässigt die Ergebnisse zum Beispiel der französischen Reiterei und bewährter Vorgehensweisen anderer Schulen.

Es scheint deshalb sinnvoll eine erweiterte Skala zu erstellen, die sich an der alten deutschen Skala orientiert jedoch alle Aspekte reiterlichen Wissens berücksichtigt. Ziel ist es die Physiologie des Reitens in direkten Bezug zur Ausbildung zu stellen und Reiter und Pferd ohne Umschweife auf eine moderne an klassischen Maßstäben orientierte Reiterei vorzubereiten.

Die veränderte Situation des Pferdes in der heutigen Gesellschaft legt diese Vorgehensweise nahe.

Vorgehensweise:

Unsere Vorgehensweise im Sattel setzt ein Pferd voraus, welches im täglichen Umgang an Putzzeug, Halfter und Strick, Longe, Gurt und das Gewicht des Reiters auf seinem Rücken gewöhnt wurde und damit zufrieden ist. Beteiligung am Study-Horsemanship bieten neben den Untersuchungen der Physiologie des Reitens in zwei Ausbildungsabschnitten auch die Erfahrung der Vorbereitung des Pferdes für die Arbeit am Boden und die Reiterei. Pferde, die den ersten Ausbildungsabschnitt bewältigt haben und sich wie auf Schienen und wie an Stangen anfühlen können nach angemessener Kräftigung den zweiten Ausbildungsabschnitt angehen und fühlen sich dann an, als seien sie unter dem Reiter gesammelt.

In der reiterlichen Praxis müssen Ausbildungsystematik und Befindlichkeiten des Pferdes einander entsprechen. Zu diesem Zweck lernt der Reiter die physiologische Wirkung der im Study-Horsemanship bewährten Systematik kennen. Er schult Auge und Gefühl, um durch korrekte Diagnose und adäquates Vorgehen das Wohlbefinden des Pferdes und die Leistungsfähigkeit des equiden Bewegungsapparats zu erhalten und zu fördern.

Die Einwirkungen des Reiters (I)

Die Liste der hier aufgeführten Einwirkungen des Reiters ist während der Untersuchungen für 'Die Elemente der Reiterei (2007)' entstanden. Sie hat sich bei den vielen ganz unter-
schiedlichen Pferden des 'Study-Horsemanship' genau so immer wieder bewährt und ist zur Zeit Grundlage der Erforschung des reiterlichen Bewegungsapparats.

Zum eindeutigen Verständniss dieser erweiterten vollständigen Skala der Ausbildung ist es sinnvoll die 'Untersuchungen der Körpersprache des Reitens' zu berücksichtigen.

1. Richtungswechsel: Im Schritt am hängenden Zügel dem noch nicht gerade gerichteten Pferd die Einwirkungen zum Wenden entsprechend seiner Schiefe erklären: Auf der kleinen Acht rechts herum durch einen geschickten Einsatz von Hand und Zügel die Halsbasis nach rechts verlegen. Links herum durch einen geschickten Einsatz der Reiterbeine die Rippenbiegung erzielen und so das Pferd veranlassen links entgehen seiner Schiefe nachzugeben (siehe dazu 'Die Schiefe des Pferdes'). Dabei Blick und Schultern in die Bewegungsrichtung wenden. Das Pferd lernt so die Hilfen zum Richtungswechsel kennen und unterstützt dabei mit dem inneren Hinterbein seinen Schwerpunkt. Der Reiter erlernt seine grundlegenden Einwirkungen.

2. Takt: Am aufgenommenen Zügel in allen drei Grundgangarten den optimalen Takt des Pferdes aufspüren und durch Änderungen der Tritt- oder Sprunglänge festigen. Zum Verlängern der Tritte die Waden, zum Verkürzen das Durchfedern der Absätze einsetzen. Der Reiter spricht dadurch das vermehrte Schieben der Hinterbeine beim Verlängern und ihr vermehrtes Tragen beim Verkürzen der Tritte so an, dass das Pferd ihn spontan verstehen kann. Das Pferd findet und festigt dabei den Takt seiner Bewegungen, der Reiter erlernt den grundlegenden Einsatz seiner Beine.

3. Losgelassenheit: Bisher bestand keine Notwendigkeit für ein Gebiss im Maul des Pferdes. Für das Schultervor lernt das Pferd die Einwirkung des Ringfingers kennen. Mit dem Ringfinger stellt der Reiter das Genick des Pferdes und leitet damit die Längsbiegung ein. Als Resultat des unter den Schwerpunkt tretende jeweils innere Hinterbeins (1), des Vorwärtsgehens (2) und der Längsbiegung (3) findet das Pferd in die Losgelassenheit. Der Reiter lernt die Längsbiegung des Pferdes im Unterschied zur Rippenbiegung kennen.


-----in Bearbeitung------

4. Vorläufige Geraderichtung: Wenn nötig mit dem äusseren Zügel Genick und Körper des Pferdes gerade halten und es so auf gebogenen Linien im Schultervor reiten. Damit die eingeleitetet Geraderichtung fördern und festigen (siehe Geraderichtung)

Warum beim ersten Ausbildungsziel die systematische Rippenbiegung des Pferdes noch nicht angesagt ist siehe 'Entgültige Geraderichtung'.

5. Anlehnung: Durch regelmäßiges Reiten Hals- und Rückenmuskulatur stärken und so die Anlehnung einleiten.

Erst wenn das Pferd sich vertrauensvoll an die Hand des Reiters dehnt kann es im nächsten Schritt die Durchlässigkeit kennen lernen.

6. Durchlässigkeit: Bei beginnender Anlehnung mit dem Ringfinger auf den gelösten Unterkiefer und damit auf die Hinterbeine des Pferdes einwirken und so die Durchlässigkeit bewirken.

Mit der Durchlässigkeit ergibt sich der nahtlose Impulsaustausch aller drei im Reiten angesprochenen Nervensysteme (siehe dazu '....').

7. Kontrolle der Bewegungsfreude: Das Pferd wenn nötig mit dem 'effet d'ensemble' anhalten und es daran gewöhnen ruhig und gelassen unter dem Reiter zu stehen.

Der Reiter hat mit dem 'effet d'ensemble' eine sicheres Mittel auch ein unaufmerksames Pferd zum Halten zurückzuführen (dazu siehe 'Effet d'emsemble').

Zurück zur Eingangsseite

Die Ertüchigung des Reiters

Reitenlernen und -lehren gehen im Study-Horsemanship Hand in Hand.

Täglich werden die Wirkungen individueller Körperübungen auf das Pferd untersucht. Dabei geht es um die Untersuchung der Reflexe des menschlichen sensorisch-motorischen Systems und deren Entsprechungen im Pferd. Aus den Wechselwirkungen von Haltung und Impulsaustausch und ihrer Untersuchung hat sich ein neuer Forschungszweig ergeben. Eine erste Darstellung der vorgefundenen Zusammenhänge ist für den Winter 2008 geplant.

Forschungsbeteiligte erlernen auf und von den Pferden des Study-Horsemanship
die physiologisch korrekte Körpersprache des Reitens und tragen durch ihre Erfahrungen zum Thema 'Die Ertüchtigung des Reiters' bei.

Nach wie vor stellt sich die Frage nach dem Erfolg versprechendsten Einstieg in die Reiterei. Gute Ergebnisse ergeben sich zur Zeit mit dem Vorgehen der gebisslosen Rai-Reiterei.

Losgelassenheit:

Die Losgelassenheit des Pferdes und die Losgelassenheit des Reiters sind diesjähriger Forschungsgegenstand. Hier die derzeitigen Vorüberlegungen.

Der Reiter sitzt, das Pferd bewegt sich. Beide sind losgelassen. Losgelassenheit scheint also direkt nichts mit Leistung zu tun zu haben. Trotzdem gilt, je grösser die muskuläre Leistung, um so ausgeprägter ist die Losgelassenheit. Dazu Artisten befragen.

Ist, so wie kalt das Gegenteil von heiss, Anstrengung das Gegenteil von Losgelassenheit?

Kann man also sagen Anstrengung und Losgelassenheit schliessen einander aus? Kann man auch sagen Leistung und Losgelassenheit bedingen einander: also keine Höchstleistung ohne Losgelassenheit?

Stimmen die Premissen könnte man durch die Gegenüberstellung der Definition körperlicher Leistung und körperlicher Anstrengung eine Definition der Losgelassenheit erhalten?

Moshe Feldenkrais (Judoka, Physiker und Physiologe) spricht von autonomen Muskulaturen, die einem Kräftezuwachs offen stehen und die unter anderem die Bewegungen des Körpers im Kräftefeld der Erde regeln. Dazu Astronauten befragen.

In der reiterlichen Praxis entsteht die Losgelassenheit des Pferdes durch das tragende innere Hinterbein und die Genickstellung, die Grundlage der Längsbiegung ist. Die Losgelassenheit des Reiters scheint auch etwas mit seiner Geisteshaltung zu tun zu haben. Dazu Meister der klassischen Reitkunst befragen.

Nuno Oliveira erwähnt, dass seine Pferde sich der Kraft der Hanken und des Rückens überlassen. Handelt es sich hierbei um die Kraft der zuvor von Moshe Feldenkrais genannten Muskulaturen? Handelt es sich hierbei tatsächlich um Muskulaturen. Oder nicht viel mehr nervliche Schaltungen, die ähnlich den Reflexen im Körper unabhängig vom Willen selbstständig arbeiten? Neurologen befragen.

Julio Pavarotti spricht von einer bestimmten Haltung des flexiblen mittleren Teils seines Rückens und des Zwerchfells, in der er mühelos lange Partien singen kann. Spielt Losgelassenheit hierbei eine Rolle? Welche Rolle spielt der Solarplexus, der sich in der selben Körperregion befindet? Gesangslehrer befragen.

Als ich entsprechend Feldenkrais' Anweisungen singen lernte, stellte sich schnell eine erstaunliche Befähigung zur musikalischen Improvisation heraus. Es ist als ob es eine dem Körper innewohnende Kenntnis der Physik gibt. Was hat diese Erfahrung mit Losgelassenheit, den von Feldenkrais genannten autonomen Muskulaturen (oder Nervenschaltungen) und dem autonomen Nervensystem des Menschen (u.a. der Solarplexus) zu tun? Neurophysiologen befragen.

In welcher Beziehung oder Wechselwirkung stehen Losgelassenheit und unerkannte muskuläre Daueranspannungen. Wirken sie auf einander ein oder schliessen sie sich gegenseitig aus? Was hat Losgelassenheit mit dem Stoffwechselaustausch der Muskelzellen zu tun. Was mit dem elektrischen Austausch zwischen Zellen? Biologen befragen.

Was haben Losgelassenheit und Atmen miteinander zu tun? In welcher Wechselwirkung stehen sie? Physiologen befragen.

Haben alle oder nur einige diese Überlegungen mit Losgelassenheit zu tun? Gibt es zusätzliche, weiter führende, ganz andere Überlegungen zum Thema Losgelassenheit? Fernöstliche Weisheit befragen.

Was ist Losgelassenheit und - wie erreicht man sie zügig, sicher, nachvollziehbar und wiederholbar, wenn sie fehlt?

Die Haltungen des Pferdes

Das Pferd bewegt sich in vier typischen Haltungen, die Sie auf der website Haltungen dargestellt finden.

Wie auf Schienen:

Die Hufe des Pferdes sollen auf zwei Linien fußen, die wie Schienen parallel und nahe zu einander verlaufen. Die Wirbelreihe des Pferdes soll, von oben gesehen, eine gedachte Linie genau zwischen den zwei Schienen nachzeichnen.

Wie an Stangen:

Das Pferd soll sich anfühlen, als könne man es an Stangen dirigieren.

Das heisst, wenn der Reiter seine Hände nach vorn schiebt gehen Unterkiefer, Kopf, Genick und Hals des Pferdes mit. Wenn der Reiter seine Schultern in die Bewegungsrichtung wendet, wendet das Pferd. Wenn seine Hände sich seitwärts bewegen reagiert das Pferd mit Seitwärtstreten.

Entgültige Geraderichtung:

Der Reiter hat im ersten Ausbildungsziel die Beseitigung der Schiefe in der Hinterhand, das Erreichen der Gleichseitigkeit in Hals/Genick und die Elastizität der Hanken des Pferdes erreicht. Erst nach dieser 'vorläufigen' Geraderichtung lässt sich die entgültige Geraderichtung erreichen. Warum?

Solange die Hinterbeine des Pferdes nicht gleich stark und gleich elastisch sind besteht eine Unregelmäßigkeit in der Vorwärtsbewegung der Hinterbeine. Sie treten nicht gleichmäßig unter den Schwerpunkt. Dadurch ist das Heben und Unterstützen der Wirbelbrücke nicht auf beiden Seiten gleich. Solange das Pferd seine Halsbasis nicht in der Mitte des Rumpfes trägt und sie von dort aufrichtet ist die muskuläre Verbindung zu den Schulterblättern und den Rippen nicht auf beiden Seiten gleich.

Beginnt der Reiter das Biegen des flexiblen Mittelteils, welches sich zwischen der Wirbelbrücke und dem unteren Halses befindet besteht die Gefahr, dass das Pferd die Schiefe zwischen den drei Elementen der Geraderichtung (Hinterhand, Halsbasis und flexibles Mittelteil) hin und her schiebt und so einer vorläufigen und einer entgültigen Geraderichtung für immer ausweichen kann.

Trotzdem hilft die beidseitige Gymnastizierung der Wirbelbrücke in der Bodenarbeit der Körperbeherrschung des Pferdes und seiner Geschicklichkeit. Warum finden Sie in der Begriffserklärung 'Ausbildung'.

Eigenarten des zweiten Gangs:

Damit das Reitpferd dem Reiter im zweiten Gang voll zur Verfügung steht, muss es in allen Teilen seines Körpers gerade gerichtet sein. Warum? Im zweiten Gang mobilisiert sich das Pferd. In diesem Zustand erhöhter Kraft sollte es nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen allen Anweisungen des Reiters prompt folgen. Dieses kann es nur, wenn die Nervenimpulse zwischen dem Nervenabschnitt C8 und dem Sakralgelenk L6-S1 am vorderen und am hinteren Ende der freitragenden Wirbelbrücke frei fliessen. Geht das Pferd vor der entgültigen Geraderichtung in den zweiten Gang, so fühlt es sich an wie ein schnelles Fahrzeugs mit verzogener Karrosserie: seine Bewegungsrichtungen lassen sich nicht bestimmen.

Eine Gesamtdarstellung der physiologischen Eigenarten des zweiten Ganges finden Sie in den Ausführungen zum zweite Ausbildungsziel. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass der im Study-Horsemanship so genannte zweite Gang dem Pferd (jedem Pferd) innewohnt und als solches kein Ausbildungsziel ist. Folgerichtig kommt es vor, dass ein Pferd ohne Warnung oder Vorbereitung sich unerwartet aufrichtet und in den zweiten Gang geht. Richtet es sich dabei spontan auch gerade dann erübrigen sich viele Bemühungen. Der Nervenabschnitt C8 in der Mitte der Vorhand des Pferdes und die Nervenabschnitte S2/3 im Sakralgelenk stehen in ungestörtem Kontakt. Der Reiter hat das Pferd am Ringfinger (dessen Hülle vom Dermatom C8) und unter seinem Hintern (dessen Haut von den Dermatomen S2 und S3 innerviert wird). Er hat das Privileg die Reiterei so zu erleben, wie sie wohl ursprünglich gedacht gewesen sein muss.

Vorwärtsgehen:

Der Begriff 'Vorwärtsgehen' hat nur indirekt etwas mit Tempo zu tun.

Er bezeichnet das Treten der Hinterbein unter den Schwerpunkt des Pferdes. Im Idealfall hebt das Pferd die Hinterbeine und setzt sie in gleich bleibendem Takt unter den Schwerpunkt, der sich ungefähr an der tiefsten Stelle der Mittellinie seines Bauches befindet. Dieses Ideal wird durch die Schiefe des modernen Pferdes behindert.

Im jungen Pferd hat das Vorwärtsgehen vorallem mit der beidseitig gleichmäßigen tragenden und schiebenden Aktion der Hinterbeine zu tun. Im ausgebildeten Pferd werden Fleiss und Vorwärtdrang zum Thema.

Das horizontale Gleichgewicht:

Dieser Begriff bezeichnet die gleichmäßige Verteilung des Pferdegewichts auf alle vier Beine.

Das horizontale Gleichgewicht ist eine Gleichgewichtsform, welches das Pferd in der Natur nicht kennt. Es wurde mit der Zucht eines schnelleren, rechteckigen Pferdes fällig. Der Reiter des modernen Pferdes nutzt dieses Gleichgewicht, um das Pferd gerade zu richten und die Elastizität der Hanken in die Wege zu leiten. Die Geraderichtung und ihr Grund, die Schiefe des modernen Pferdes (siehe Begriffserklärung 'Die Schiefe des Pferdes') wurden erst mit dem rechteckigen Pferd zu einem vorrangigen Thema der Reiterei. In Abgrenzung zum zweiten Gang kann man das horizontale Gleichgewicht als ersten Gang bezeichnen.

Im horizontalen Gleichgewicht besteht die Gefahr, dass ein Pferd dieses verliert und 'auf die Vorhand fällt'. Dann tragen die Vorderbeine mehr Gewicht als die Hinterbeine. Um das zu vermeiden bewacht der Reiter das Schliessen der Kruppe (siehe Begriffserklärung 'Schliessen der Kruppe'). Das Springen kleiner Hindernisse schafft Abhilfe, ebenso Vorwärts (siehe Begriffserklärung 'Vorwärts gehen'), zunächst an der langen Longe oder im Freilauf. In diesem Zusammenhang sind das Anheben des Halses und die damit verbunde Haltungsänderung weiter zu beobachten.

Takt, Tempo und Trittlänge:

Das Tempo eines Pferdes ergibt sich aus dem regelmäßigen Takt und der gleichbleibenden Länge seiner Tritte. Mit dem Verlängern und dem Verkürzen der Trittlänge verändert sich das Tempo. Das heisst im Umkehrschluss: Jedes Pferd hat einen Bewegungstakt, der auch bei der Änderung des Tempos gleich bleibt.

Es ist des Reiters Aufgabe den Takt zu erspüren, in dem das Pferd am mühelosesten vorwärts geht. In diesem Takt festigt er das Pferd durch vorsichtiges Verlängern und Verkürzen der Tritte. Alles Gesagte gilt auch für das Verlängern und Verkürzen der Galoppsprünge.

Kontakt:

Der Reiter hat durch zwei nervliche Systeme Kontakt zum Pferd.

(1) Die Dermatome seiner Haut korrespondieren mit den Dermatomen des Pferdes. Beide werden vom sensorisch-motorischen System im Rückenmarksstamm direkt innerviert. Das Pferd liesst so den Menschen auf seinem Rücken und interpretiert seine Haltungen. Dieser Kontakt tritt in Kraft sobald der Reiter das Pferd besteigt. Er ist unvermeidbar. Eine moderne Reiterschulung beginnt deshalb mit der Körpersprache des Reiters. Sie umfasst in Theorie und Praxis die Haltungen des Reiters und die Übertragung der Nervenimpulse zwischen Reiter und Pferd.

(2) Die Zügel in des Reiters Hand wirken via Ringfinger auf das Gebiss und den Unterkiefer des Pferdes ein. Via Parasympathikus setzt sich diese Einwirkung auf den Solarplexus und die Innervierung der Hinterhand fort. Die Einwirkung der Reiterhand auf die Hinterhand des Pferdes setzt voraus, dass das Pferd Kontakt mit der Hand des Reiters aufgenommen hat (siehe 'Anlehnung').

Geraderichtung:

Aus der Darstellung der Schiefe ergibt sich die Geraderichtung des modernen Pferdes.

Der Begriff 'Geraderichtung' ist jedoch in so fern irreführend, als er sich nicht auf den geometrischen Begriff 'gerade' bezieht, sondern auf des Pferdes Gleichseitigkeit. Ein Pferd ist 'gerade', wenn es auf beiden Seiten gleich funktioniert und sich auch so anfühlt. Das heisst: Nur ein Pferd, dessen Längs- und Rippenbiegung recht und links identisch ist, ist gerade gerichtet.

Trotzdem spielt gerade sein eine Rolle in der Geraderichtung des Pferdes. Ein gerade gerichtetes Pferd fühlt sich nämlich auch in und trotz der Längs- und Rippenbiegung gerade an. Und im Schultervor hält der Reiter das Pferd ganz wörtlich gerade.

In der vorläufigen Geraderichtung strebt der Reiter nämlich zunächst eine Halbierung der Schiefe an. Das heisst: Im sogenannten Schultervor (siehe Begriffserklärung 'Schultervor') reitet er das Pferd auf geraden und gebogenen Linien mit von oben gesehen möglichst geradem Rückgrat. Dabei wird alles was nach rechts (meistens das rechte Hinterbein und manchmal auch das Genick) und alles was nach links ausweichen möchte (meistens die Halsbasis) auf die Mitte gebracht. In dem Maße, in dem beide Hinterbeine gleichmäßig unter oder in Richtung auf den Schwerpunkts treten, das Pferd den Hals in der Mitte des Rumpfes trägt und sein Genick in die jeweilige Bewegungsrichtung stellt, entlässt der Reiter es in die Längsbiegung (siehe Begriffserklärung 'Längsbiegung') und die vorläufige Geraderichtung (siehe Begriffserklärung 'Entgültige Geraderichtung').

Das Schultervor ist eines der sanften Machtmittel der Reiterei. Andere sind zum Beispiel der effet d'ensemble und die Gewichtsverlagerungen des Reiters. Dem durch Schultervor bewirkten Eingriff in die Bewegungsrichtung des Pferdekörpers kann sich das jeweilig innere Hinterbein des Pferdes nicht entziehen. Im Schultervor kann das Pferd nicht anders als mit diesem Hinterbein unter den Schwerpunkt zu treten.


Der Hals:

Nur wenn das Pferd den Hals ruhig und frei trägt ist es im vollen Besitz seiner Sinne.

Der ruhig getragene Hals ist das Ergebnis einer gekräftigten und losgelassenen Rückenmuskulatur. Diese wiederum sind die Vorraussetzung für den Kontakt des Pferdes zur Hand des Reiters und für die Anlehnung (siehe dazu die Begriffserklärung 'Anlehnung').

Freilauf:

Solange die Reglung des Takts und des Tempos, sowie die Sicherstellung der Losgelassenheit und Anlehnung des Pferdes noch Themen sind, bietet sich zur Erhaltung der Bewegungsfreude regelmäßiger Freilauf, wenn möglich in kleinen Gruppen an.

Vorwärtsdrang:

Der Vorwärtsdrang eines Pferdes und seine Bewegungsfreude sind des Reiters höchstes Gut. Denn nur diese lassen sich im Pferd ausbilden. Trotzdem hat der Bewegungsdrang des modernen Pferd Kehrseiten.

Gepaart mit Schwäche bewirkt er das Eilen des Pferdes. Gepaart mit instabilem Temperament und einem schlechten Gleichgewicht kann er schwer einschätzbare Reaktionen des Pferdes verursachen, deren Folgen fatal sein können. Vorwärtsdrang und Bewegungsfreude des Pferdes sind deshalb nur gepaart mit Gesundheit, Kraft und Feuer eine Freude für den Reiter.

In der Praxis nimmt der Reiter/Ausbilder auf Schwächen und Temperamentsprobleme des modernen Pferdes durch gezieltes, aufbauendes Vorgehen Rücksicht und dabei dienen ihm des Pferdes Anzeichen des Wohlbefindens als Wegweiser. Der Reiter erhält des Pferdes Vorwärtsdrang indem er es im offenen Gelände in freien und gesteckten Gangarten vorwärts reitet.

Die Schiefe des Pferdes:

"Der Ursprung der Schiefe ist der vorderste Wirbel des flexiblen mittleren Teils, T9. Die Schiefe beginnt hier mit einer Neigung der Dornfortsätze dieses und der umgebenden Wirbel nach rechts. Zum Ausgleich eines so entstehenden Ungleichgewichts ist die untere Halsbasis des Pferdes häufig nach links verschoben. Das rechte Hinterbein läuft aus der Spur und ist demzufolge schwächer und weniger geschickt als das linke. Die so in fast allen Pferden vorgefundene, mehr oder weniger stark ausgeprägte Schiefe schränkt die Bewegungsfreiheit des Pferdes und die Kontrolle des Reiters über das Pferd ein. Sie behindern den freien Fluss der Nervenimpulse vom zentralen zum peripheren Nervensystem". Aus: 'Die Elemente der Reiterei (2007)', Kapitel I.a.

Deutlich wird, dass es die nicht gleichmäßig unter den Schwerpunkt tretenden Hinterbeine sind, die des Pferdes Bedienungsfreundlichkeit und Leistungsbereitschaft zunächst am meisten behindern. Die unregelmäßige Einwirkung ungleich unter den Schwerpunkt tretender Hinterbeine auf das Sakralgelenk behindern das Heben und Unterstützen der Wirbelbrücke. Dadurch kommt es zu Störungen der Rückentätigkeit (siehe Begriffserklärung 'Das Schliessen der Hinterhand'). Ungleich stark und geschickte Hinterbeine bewirken auch eine unregelmäßige Elastizität der Hanken (siehe Begriffserklärung 'Hanken') und behindern deren Einsatz.

Funktionieren die Hinterbeine des Pferdes erst einmal gleichmäßig, so rückt häufig eine anderer Aspekt der Schiefe in den Vordergrund. Dazu: "Der Nervenabschnitt C8 am vorderen Ende der freitragenden Wirbelbrücke befindet sich in der Mitte der Vorhand. Er funktioniert nur dann richtig, wenn er gerade auf das Sakralgelenk L6/S1 am hinteren Ende der freitragenden Wirbelbrücke ausgerichtet ist. Der Grund für mögliche Störungen ist fast immer des Pferdes Schiefe". Das kann in der Praxis die Neigung der Halsbasis nach links, es kann aber auch die fehlende Elastizität des nach rechts gewandten flexiblen Rückenabschnitts sein.

Es gilt weiter zu untersuchen was der Nervenabschnitt C8 der sich ohne korrespondieren Wirbel im Zentrum der Pferdevorhand befindet bewirkt. Schon jetzt lässt sich vermuten, dass in C8 die Haltung des Reiters und des Pferdes und die vollkommenen Kommunikation zwischen beiden zusammentreffen. Dazu mehr so wie sich weitere Einzelheiten klären....

Die Mittel um die Schiefe des Pferdes zu beseitigen

Im Study-Horsemanship hat sich bewährt, die Schiefe des Pferdes nicht als einen Zustand, sondern als eine Ursache mit einer Reihe von Folgezuständen zu begreifen und diese einzeln zu berücksichtigen.

Aufgrund der Schiefe des Pferdekörpers fühlt sich das Gehen auf der linken und auf der rechten Hand für das Pferd völlig anders an. Das Pferd kann die vom Reiter auf einer Hand eingesetzten Mittel der Geraderichtung nicht automatisch auf die andere Seite übertragen, sondern muss auf beiden Händen einzeln seiner Schiefe entsprechend angewiesen werden.

Die Schiefe des Pferdes kann nur von hinten her aufgelöst werden. Ohne gleichmäßig unter den Schwerpunkt tretende Hinterbeine sind die Funktionen des Kruppenschlusses nicht gesichert. Der Kruppenschluss wiederum erhält im equiden Bewegungsablauf die zentralen Wirkungen des Sakralgelenks. Ohne in die Mitte gerichte Halsbasis übertragen sich die Nervenimpulse im Rückgrat des Pferdes nicht.

Diese sogenannte erste Geraderichtung wird, wenn überhaupt heute im Normalfall durch Vorwärtsreiten auf langen Linien bewirkt. Geschickte Reiter erzielen dabei häufig auch im leichten Sitz eine Geraderichtung, die ihren Bedürfnissen gerecht wird. In der klassischen und in jeder der Physioplogie entsprechenden Reiterei zeigen sich bei der ersten Geraderichtung deutlich die Fehler des Sitzes. Hohlkreuz, Rundrücken, Einknicken in den Hüften und die fehlende Fallinie des Sitzes machen ein direktes Ansprechen des Pferdes durch des Reiters einfachstes und wirksamstes Mittel, seinen Haltung, unmöglich.

Mehr dazu unter "Haltung (2008)".

Das Schliessen der Kruppe:

Das Schliessen der Kruppe ist eine Vorwärtsbewegung des Pferdebeckens… (mehr dazu hier).

Beim Schliessen der Kruppe schliesst sich das Sakralgelenk. Mehr zur Rolle des Sakralgelenks im Bewegungsablauf des Pferdes und die Einflussnahme des Reiters Ringfingers auf seine Innervierung finden Sie in den Kapiteln II.c. und IV.b. des Textes 'Die Elemente der Reiterei (2007)'.

Das Schliessen der Kruppe ist Voraussetzung für das fleissige und losgelassene Vorwärtsgehen des Pferdes. Es bewirkt das Heben der freitragenden Wirbelbrücke und ist die Voraussetzung für deren Kräftigung und Elastizität. Das Pferd lernt beim Reiten entsprechend der Leistungsforderungen des Reiters ein Gleichgewicht zwischen dem Grad des Kruppeschliessens (dem das Schliessen der Sakralgelenks zwangsweise folgt), der Haltung der freitragenden Wirbelbrücke und der Elastizität seiner Hanken (siehe Begriffserklärung 'Hanken') einzurichten.

In der freien Natur schliesst das Pferd die Kruppe auf Grund der an es herantretenden Leistungsanforderungen. Als solche interpretiert es auch den Reiter auf seinem Rücken und den Druck seiner Oberschenkel auf die obere 11. Rippe. Das Schliessen der Kruppe wird durch einen Reflex im Bereich der 11. Rippe ausgelöst und im Takt der Bewegungen vom innere Hinterbein unter dem Schwerpunkt laufend erneuert.

Beide, das Schliessen der Kruppe und deren ständige Erneuerung durch das beidseitig gleich (!) unter den Schwerpunkt tretende jeweils innere Hinterbeins, sind Grundvoraussetzung für den ersten und den zweiten Gang und den Übergang zwischen ihnen. Sie erhalten des Pferdes Bewegungsablauf und verhindern, dass zuviel Gewicht auf die Vorhand kommt. Im Reitpferd kommt es ohne Kruppenschluss bald zu aller Arten von Steifheiten und dann schnell auch zu Widersetzlichkeiten.

Anlehnung:

Die Anlehnung des equiden Unterkiefers an das Gebiss und damit an die Hand des Reiters ist das Resultat einer Vorwärtsdehnung des langen und des oberen Rückenmuskels und der stabilisierenden Wirkung der Halsmuskulaturen.

Der Begriff Anlehnung sagt nichts über ihr Gewicht aus. Die Logik der reiterlichen Physiologie legt nahe, dass dieses nicht mehr sein sollte, als die Muskulaturen des menschlichen Ringfingers mühelos bewältigen können. Trotzdem gibt es Situationen, in denen die Anlehnung dieses Maß übersteigt. Als positives Beispiel sei hier das vertrauensvolle sogenannte 'Abstossen des Pferdes' von der Hand des Reiters genannt (siehe die entsprechende Begriffserklärung), welches das Pferd einsetzt, um den Unterkiefer zu lösen und das lange Band zu spannen.

Es gibt das kräftige Zurückhalten eines ungestümen Pferdes, welches vom Reiter den Muskeleinsatz der Arme, Schultern und des Rückens fordert. Und es gibt eine Situation, in der das Pferd sich kräftig an die Hand des Reiters anlehnt, nicht um Kiefergelenke und Zunge zu lösen, sondern um auf die Hand des Reiters einzuschlafen und so den Einsatz der Hanken zu vermeiden. Bald treten dann die Hinterbeine nicht mehr unter den Schwerpunkt, das Körpergewicht des Pferdes verlagert sich nach vorn und der Reiter verliert seine Dominanz (eine Ausführung wie und warum die Dominanz des Reiters mit dem tragenden inneren Hinterbeins zu tun ha folgt). Gepaart mit Eilen kommt es so zum Durchgehen des Pferdes.

Anderseits ist eine Frage der Definition, wie der leicht durchhängende, sogenannte 'halb gespannte Zügel' physiologisch und reiterlich korrekt zu benennen ist. Schlichtes Ausprobieren weist nach, dass die Bewegungen der Ringfinger sich auch bei solcher Zügelführung auf das Maul und damit auf die Hinterbeine des Pferdes übertragen.

Die Hanken

Anders als im Menschen sind die Hinterbeine des Pferdes vom Knie ab aufwärts gewinkelt. Die Oberschenkel sind geneigt und in den Pferdekörper integriert. Mit den Beckenseiten formen sie ein gleichschenkliges Dreieck, dessen Zentrum das Hüftgelenk ist. Um das Hüftgelenk schwingen die Oberschenkel und sind die Grundlage aller equiden Bewegungen. Dieser Gesamtkomplex wird in der Reiterei Hanken genannt.

Das genannte gleichschenklige Dreieck ist in der Dehnungshaltung relativ flach und in der Leistungshaltung relativ steil gewinkelt. Bei jedem Tritt bzw. Galoppsprung federt es. Die Elastizität dieser Federung ist die Kraftquelle der equiden Hinterhand. Sie ist Grundlage angenehmen Sitzens zu Pferd. In ihr federt das Pferd die Wechsel der Tritt- und Galoppsprunglängen ab. Von ihr geht die Kraft der Versammlung und des zweiten Gangs im Pferd aus.

Kraft und Elastizität der Hanken werden durch das Vorwärtsgehen des Pferdes eingeleitet und erhalten. Daraus ergibt sich, dass es für das Vorwärtsgehen des Pferdes keinen Ersatz gibt. Regelmäßiges freies Vorwärtsreiten des Pferdes ist die beste Garantie für die Kraft und Gesundheit seiner Bewegungen.

Fragen zur Geraderichtung:

Die Frage stellt sich, ob die Geraderichtung eine fortlaufende sich in kleinen Schritten vollziehende Umformung der Pferdes ist, bei deren Abschluss das Pferd physiologisch verändert und nun (für immer?) gerade ist. Oder ob es sich dabei um einen Entschluss des Pferdes handelt, Hinterhand, Rückgrat, Halsbasis und Genick nicht wie gewohnt (in den meisten Fällen schief nämlich) sondern nun gerade einzusetzten.

Daraus ergibt sich die Folgefrage, ob die Geraderichtung eine für das Pferd deutlich wahrnehmbare, bewußte Sache ist oder ob sie sich bei richtigem Vorgehen des Reiters so zu sagen einschleicht ohne dass das Pferd es je merkt. Weiterhin stellt sich die Frage, ob es eine Geraderichtung des Pferdes gibt, die unabhängig von des Reiters bewusster Anweisung und oder Wahrnehmung im Pferd vor sich geht?

Fragen zum Schliessen der Kruppe:

Die Frage kam auf, warum ein Pferd unter dem Reiter das Schliessen der Kruppe entweder ganz vernachlässigt oder im Zuge des Reitens aufgibt. Welche möglichen Gründe gibt es hierfür?

1. Lustlosigkeit. Sie bewirkt eine Deaktivierung der Rückenmuskulatur zwischen dem Platz des Reiters und dem Lendenbereich. Diesem folgt das Loslassen des schrägen Bauchmuskels, der für das Schliessen die Kruppe und das Beibehalten dieses Schliessens zuständig ist.

2. Angst vor Schmerzen, die sich neben fehlendem Kruppenschluss in sogenannter Körperangst ausdrückt (Scheuen vor Nichts oder aus kleinsten Anlässen). Gelingt es dem Reiter den Kruppenschluss zu bewirken hat er unvermittelt ein scheufreies, williges Pferd unter sich.

3. Fehlende Stütze des inneren Hinterbeins. Weil die Hinterbeine nicht beidseitig gleich unter den Schwerpunkt treten ist das fortlaufende Heben der Wirbelbrücke nicht gesichert. Gelingt es dem Reiter diese Schiefe in der Hinterhand zu beheben, hat er auf einmal ein fleissiges Pferd unter sich. Das unter den Schwerpunkt tretenden inneren Hinterbeins bewirkt die Leistungfähigkeit des Pferdes und die Kontrolle des Reiters.

4. Fehlendes Vorwärtsgehen des Pferdes. Gelingt es dem Reiter das Pferd vorwärts zu reiten so spürte er wie sich der Pferderücken unter ihm hebt und er den 'Motor' des Pferdes unter sich hat.

Von den genannten Ursachen ist die zweite (Angst vor Schmerzen) die Schwierigste, weil der Reiter häufig weder Ursache noch Ausmaß der Schmerzen kennt oder einschätzen kann. Es ist Vorsicht geboten, weil es zu uneinschätzbaren Reaktionen des Pferdes kommen kann. Bodenarbeit, Tierarzt und langsames, gut beobachtendes Vorgehen bieten sich an.

Das Durchreiten des Pferdes

Im Gelände hat sich das Pferd mobilisiert. Diese Mobilisation wurde durch das freie Ausschreiten im natürlichen Habitat des Pferdes begünstigt. In der Reitbahn fehlt diese Stimulanz und freies Ausschreiten sowie die Mobilisation des Pferdes werden nun in der Reitbahn mit dem sogenannten 'Durchreiten' zum Ausbildungsprogrammpunkt.

Viel hängt von diesem Durchreiten ab, denn nur ein mobilisiertes Pferd mit beweglichen Hanken kann zügig zwischen dem Schieben und Tragen seiner Hinterbeine wechseln (siehe halbe Parade) und ist so in der Lage sich ganz für den Reiter einzusetzten.

Das Durchreiten spricht aber nicht nur die muskuläre Kraft des Rückens und der Hinterbeine und das freie Fliessen der Nervenimpulse am hinteren Ende der freitragenden Wirbelbrücke an. Es betrifft auch das freie Fliessen der Nervenimpulse am vorderen Ende der Wirbelbrücke und zwischen deren vorderem und hinterem Ende.

Als durchgeritten bezeichent man deshalb ein Pferd erst, wenn es im freien Ausschreiten den Hals von der Basis her vorwärts-aufwärts dehnt, dabei den Hals wölbt und die Schultern frei hebt. Zu untersuchen ist die Wechselwirkung des Nervenabschnitt C8 mit der Aktivierung des Pferdes.

Vorwärts auf dem Zirkel

Bisher galt des Reiters Aufmerksamkeit in erster Linie dem auf gebogenen Linien beidseitig gleichen Tragen des inneren Hinterbeins. Bei der Arbeit auf dem Zirkel richtet er seine Aufmerksamkeit nun auf die beidseitig gleiche Aktion des schiebenden äusseren Hinterbeins.

Dazu schenkt er der lateralen Verteilung seines Gewichts besondere Aufmerksamkeit und lernt Ungleichmäßigkeiten im Schieben des äusseren Hinterbeins zu erspüren. Er setzt das dritte sanfte Machtmittel des Reiters: die laterale Gewichtsverteilung ein, um ein schwaches aber gesundes Hinterbein vermehrt zu belasten oder ein schwaches, schmerzendes Hinterbein weniger zu belasten.

Die anderen sanften Machtmittel des Reiters waren zur Erinnerung das Schultervor, welches wie ein minimales Seitengang wirkt und der 'effet d'ensmble', der das Pferd sanft und sicher im Stand hält.

Das Abstossen vom Gebiss:

Immer wieder erleben wir wie Pferde, die mit einer gleichmäßigen und weichen Anlehnung ans Gebiss und damit an die Hand des Reiters vertraut sind diese Anlehnung wahrnehmen, um durch einen vermehrten Druck auf das Gebiss (und damit die Hand des Reiters) das Genick zu beugen und das lange Band von vorne zu spannen.

In diesem Vorgang wirken die Unterkiefergelenke wie ein Scharnier, welches Nervenimpulse des autonomen Nervensystems auslöst. Als Resultat schliesst sich das Mittelteile des Pferdes, seine Körper belebt sich und es wird leichtfüssiger.

Dominanz:

Der erfahrene Reiter ist sich seines Vorgehens sicher. Er weiss das gesunde Pferd zu fordern und das schwache Pferd durch schonenden Einsatz so zu kräftigen, dass es nicht zu Widersätzlichkeiten kommt. Für ihn stellt sich die Frage nach der Dominanz des Reiters nicht, denn ihre Antwort ist offensichtlich.

Seiner eigenen Art nach ist das Pferd unabhängig, höflich und friedliebend. Es lebt in festen Umgangsformen. Es ist geduldig und reaktionsschnell. Es ist eines Lebens in der freien Natur ebenso fähig wie des ganz anderen, fast gefängnisartigen Aufenthalts im direkten Einzugsbereich des Menschen. Im Gegensatz zum Menschen kennt es keine Wahl zwischen Gut und Böse. Sein Reaktionen dienen dem Erhalt seines Lebens. Physiologisch ist es zum Zwecke des Reitens auf die Physiologie des Menschen genau abgestimmt.

Der erfahrene Reiter weiss dies und darauf baut er auf. Erfolg oder Nichterfolg hängen für ihn an Verfahrensfragen. Er setzt im Umgang mit dem Pferd vom Boden zunächst die Sprache der Herde und bald schon die Erkenntnisse der equiden Bewegungslehre ein. Im Sattel lässt er seinen Körper sprechen. Er macht die Erfahrung, dass Pferde sich auch zu einem gewissen Grad dressieren lassen.

Was nun aber mit Unstimmigkeiten zwischen Reiter und Pferd? Sie haben neben der schon genannten Schwäche des Pferdes zwei Ursachen, die häufig als eine Frage der Dominanz behandelt werden. In Realität haben sie jedoch nichts mit Dominanz zu tun, sondern mit Missverständnissen und drohendem Leid.

1. Das Pferd kann den Zweifel des Menschen nicht einordnen. Die Aufforderung des Reitlehrers an den Reitschüler sich durchzusetzen betrifft deshalb nicht das Pferd, sondern den Reiter. Er muss mit sich klären was er will. Erst dann kann das Pferd ihn verstehen.

2. Das Pferd als lebendes Wesen kennt Schmerzen und Unwohlsein genau wie der Mensch. Beide werden in den allermeisten Fällen durch unsachgemäßes Vorgehen vom Menschen erzeugt. In Folge kommt es beim Pferd zu Abwehrreaktionen.

In beiden Fällen schaffen, neben der Erweiterung der reiterlichen Grundkenntnisse die Haltungsverbesserung und eine durchdachtere Vorgehensweise des Reiters Abhilfe. Der Einsatz von Gewalt ist nicht nur angesichts der zehnmal größeren Kraft und Geschwindigkeit des Pferdes abwegig. Er erzeugt die Unarten (besser: die nicht seiner Art entsprechenden Verhaltensweisen) des Pferdes. Der Grund lässt sich aus der Physiologie des Pferdes leicht ablesen. Aus ihr heraus kann das Pferd nicht anders als die Dominanz des Reiters nachfragen und sich ihr unterordnen. Das Pferd ergibt sich dem Reiter jedoch nicht wie eine liebende Frau ihrem Mann oder ein treuer Hund seinem Herrn. Es möchte sich vom Reiter in den Parallelen struktureller und nervlicher Beschaffenheiten verstanden wissen. Und so möchte es als treuer Freund und fairer Partner mit ihm eins sein.

Sich unverstanden wissen oder wähnen, Körperangst (siehe die entsprechende Begriffserklärung), und die Furcht vor Missverständnissen führen zu Widersätzlichkeiten und den Frackigkeiten des Pferdes, die vom unerfahrenen Reiter häufig als fehlender Respekt interpretiert werden. Die so entstehenden Dominanzprobleme können nur durch Lernschritte seitens des Reiters und die Beseitigung physiologischer Ursachen im Pferd dauerhaft gelöst werden.

In diesem Zusammenhang sei die Problematik der heutigen Reiterschulung angedeutet, welche mit der Umkehr physiologischer Logik entstanden ist. Gute und deshalb teure Reitpferde werden im Sport eingesetzt und schlechte, deshalb billige Pferde im Reitunterricht. Folgerichtig wäre es anders herum. Gute und deshalb unkomplizierte Pferde sollten für die Schulung unerfahrener Reiter zu Verfügung stehen. Den komplizierten und häufig schwachen Pferdes sollten sich die erfahrenen Reiter widmen. Es geht in der Reiterei um Verfahrensfragen. Es geht auch um Interpretation und Realisation von Zuchtzielen. Und es geht um Märkte. Die sogenannten Dominanzprobleme lassen sich nur in diesem Gesamtzusammenhang eindeutig bewerten.

Untersuchungen zur Körpersprache des Reitens:

Aus dem Studium der Dermatome und der Haltungen von Reiter und Pferd ergeben sich reiterliche Vorgehensweisen, die in der Praxis als dem Pferd spontan verständlich erweisen. Diese werden in diesem Text untersucht und dargestellt.

Treiben und Parieren

Es stellt sich heraus, dass ein tiefes Durchdrücken der Absätze von allen Pferdes spontan als Signal zum Anhalten verstanden wird. Es ähnelt dem des Westernreiters im sliding stop, in unserem Fall bleibt jedoch der Kontakt der Reiterbeine zu den Seiten des Pferdes erhalten.

Wie nun erklärt sich die Tatsache, dass das Pferde die genau selbe Einwirkung auch versteht, wenn der Reiter sie zum Antraben einsetzt? ....bedarf weiterer Untersuchungen....sagt etwas über die Einwirkungen des Reiters in der halben Parade aus.... (siehe unten)

Praktisch hat sich daraus eine genauerer Untersuchen des 'anderen Treibens', dass heisst des Wadendrucks, (wie dieser durchgeführt wird und was er bewirkt) ergeben. Und es stellt sich heraus, dass ein ruhiges, fast sanftes Umfassen des Pferdes mit locker hängendem Bein und untem angelegtem Bein alle Pferde spontan vorwärts gehen lässt. Alerdings muss der Reiter gleichzeitig seinen unteren Rücken runden und die Oberschenkel lockern.

Den einseitigen direkten Wadendruck scheint das Pferd als Aufforderung zum Seitwärtstreten gut zu verstehen. Einen beidseitigen Wadendruck scheint es als Aufforderung den Kruppenschluss beizubehalten zu verstehen.

Die Zügelführung

Die physiologisch adäquate Zügelführung wird dem Einsteiger am schnellsten schlüssig, wenn er folgende Aspekte klar unterscheidet:

1. Die Rolle der Zügel in der Mitte des Halses.
2. Die Einwirkung der Ringerfinger auf den Unterkiefer des Pferdes
3. Die durch die Schiefe des Pferdes entstehende Sonderrolle des rechten Ringfingers am Unterkiefer und des linken Zügels am Hals des Pferdes

Die korrekte Zügelführung lässt sich dann so darstellen.

A. Grundstellung:

1. Zügel und Ringfinger haben unterschiedliche Rollen
2. Der innere Ringfinger stellt das Genick.
3. Der äusseren Zügel führt das Pferd.
4. Die Grundspannung der inneren und des äusseren Zügels ist gleich.

B. Wendungen:

1. Das Pferd läuft an der Führung des äusseren Zügels, welche automatisch durch das Wenden der Reiterschultern entsteht.
2. Der innere Ringfinger bewacht die Stellung des Genicks, ansonsten ist er untätig. Auf keinen Fall wird das Pferd vom inneren Ringfinger am Gebiss geführt, da dies auf Dauer das innere Hinterbein blockiert.

C. Reiten auf der geraden Linie:

1. Der Pferdehals wird gleichmäßig von beiden Zügeln eingerahmt.
2. Der Kontakt des Pferdes zu den Ringfingern des Pferdes ist auf beiden Seiten gleich stark.

D. Sondereinsätze:

1. Der rechte Ringfinger ist unabhängig von den Grundstellungen durch sanfte Bewegungen immer bereit auf das meist schwächere und ungeschicktere rechte Hinterbein einzuwirken. Es kann aber auch das linke Hinterbein sein, welches durch die Einwirkung des Ringfingers auf den gelösten Unterkiefer des Pferdes Unterstützung braucht.
2. Der linke Zügel muss zu Beginn der Geraderichtung meist vermehrt auf die Mitte des Halses einwirken, um die Halsbasis in den Wendungen und auf den geraden Linien in die Mitte des Rumpfes zu bringen und zu halten.

Biegen und Wenden:

Nachdem ich jahrelang das Biegen des Pferdes vehement abgelehnt und mich auf die Geraderichtung konzentriert habe ist Biegen nun, angesichts Fabians Fortentwicklung doch fällig geworden. Auch deshalb, weil klar wurde, dass nur das Biegen des Pferdes im flexiblen Mittelteil die Elastizität der freitragenden Wirbelbrücke herstellen kann, die das Pferd braucht, um die Feinabstimmung zwischen dem Schliessen des Sakralgelenks, dem Federn der Hanken und dem Heben des Rückens ganz zu beherrschen.

Und mit großem Staunen nehme ich wahr, dass er den nur wenig und ohne muskuläre Anspannung zurückgelegten äusseren Unterschenkel spontan als Hilfe zum engen Abwenden versteht und sich dabei biegt. Das heisst, ich lege den äusseren Unterschenkel zurück und ohne jede weitere Einwirkung geht er gerne auf eine kleine Volte. Er beginnt die Volte in schöner Längsbiegung und sein Körper zeichnet die Linie auf der er geht nach, dann geht er zur Rippenbiegung über, am Ende der Volte geht er zurück zur Längsbiegung und, wenn ich ihn dann mit dem äusseren Ringfinger geradestelle, geht er gerade aus weiter. Na, das war ja einfach. Bisher klappt es nur im Schritt auf beiden Seiten sicher. Der Trab, vielleicht auch erst der Jog kommt als nächsten.

Nach einigen Volten und kleinen Achten hat er im anschliessenden Trab in spürbarer Anlehnung hochaufgerichtet den Unterkiefer immer wieder gelöst und hat er sich mit gut geschlossenem Mittelteil mobilisiert. Bei der Wiederholung stellt sich heraus, dass die Biegungen ihren Wert nur entwickeln können, wenn das Pferd sich zuvor gut gerade gerichtet hat und vorwärts geht.

Die halbe Parade:

Wie oben angedeutet parieren die Pferde gut auf das Durchdrücken der Absätze ohne dabei viel Gewicht auf die Bügel zu bringen, wenn man gleichseitig den unteren Rücken rundet. Diese Hilfe verstehen sie auch zum Antreten. In beiden Fällen braucht man im Normalfall keinen Zügel einsetzen. Man bringt so das Pferd zum Stehen (ganze Parade) und erreicht so auch das erneute Anreite. Was wann fällig ist ergibt sich aus dem Gesamtzusammenhang. In beiden Fällen wird das Sakralgelenk des Pferdes angesprochen und die Nervenabschnitte S2/3 (genaue Darstellung folgt).

Bei der halben Parade passiert nicht anderes, nur kommt eine Aktivierung des gesamten Bewegungsapparats hinzu. Sie wird durch das Heben des Reiterrückens von C2 und die Einwirkung der Ringfinger (C8) ausgelöst. Die Ringfinger haben durch die Zügeleinwirkung eine direkte Auswirkung auf Kreuzbein und Sakralgelenk. Sie scheinen aber auch auf den Nervenabschnitt C8 am vorderen Ende der Wirbelbrücke und auf die Halsbasis einen Einfluss auszuüben.

Zugegebenermaßen habe ich bisher wenig Erfahrung mit dem Einsatz der halben Parade. Mit Fabian mache ich die Erfahrung eines erhöhten Inpulsaustausches durch gestrecktes aufmerksames Sitzen und wenn ich dann die Ringfinger im richtigen Augenblick ganz zart einsetzte gewinne ich einen direkten Einfluss auf seine Hinterbeine. In dem Augenblick muss ich gut aufpassen, dass ich mit meiner Hand keine Taktfehler verursache. Auch Secret Taboo versteht mich trotz großer Folgeschäden verfrühten Renntrainings in genau diesem Sinn. Bei ihr muss ich aufpassen, dass sie der Belastung ihrer Hinterbeine nicht durch Schrägstellen der Kruppe ausweicht.


Der Sitz des Reiters

Das was in reiterlicher Umgangssprache 'Der Sitz des Reiters' genannt wird besteht aus einer Reihe von einzelnen Aspekten.

Grundlegend im wörtlichen Sinne sind das Gesäß des Reiters, welches auf dem Rücken des Pferdes ruht und die Reiterbeine die am Pferdeleib herunterhängen und deren Innenseiten an diesem angeliegen.

Ebenso grundlegend ist das vorgeschobene Kreuzbein, auf Grund dessen horizontaler Oberseite sich die reiterliche Wirbelsäule erst aufrichten und zur Säule werden kann. Jeder einzelne Wirbel dieser Säule wird dadurch von dem darunterliegenden von unten unterstützt. Die Einrichtung bestehend aus Becken und Wirbelsäule lastet auf dem Ruhepunkt im Rückgrat des Pferdes. Die in sich im Prinzip elastische Wirbelsäule ist nun aufrecht und in dieser aufrechten Haltung beruhigt. Der Kopf der Reiters ruht im Gleichgewicht auf dieser Säule.

Hände, Arme, Schultern und Bruskorb sind durch das Schlüsselbein strukturell mit der Wirbelsäule verbunden. Das Zurücklehnen des Nervenabschnitts C8 zwischen Hals- und Rückenwirbeln erzeugt dadurch unter anderem ein Anheben des Brustkorbs und das Schliessen der Schultern. Der Reiter winkelt seine Unterarme bei locker am Körper anliegenden Oberarmen. Seine Hände hält er ruhig vor seinem Leib, damit das Pferd via Zügel Kontakt mit ihnen aufnehmen kann.

Die Beine sind spannungsfrei. Der Reiter setzt das Fallenlassen der Absätze, das Umfassen des Pferdeleibes mit den gesamten Beinen und den Wadendruck entsprechend der Haltungen des Pferdes und der bevorstehenden Aufgaben ein.

Der Sitz des Reiters ist losgelassen. Die Spannung des Sitzes entsteht durch die Dehnung des Körpers nach oben und die Dehnung der Beine nach unten.

Körperangst

Das Pferd kann zwischen inneren und äusseren Anlässen für Angst nicht unterscheiden. Wenn also ein Pferd unter dem Sattel oder an der Hand vor ihm gewohnten Gegenständen scheut gibt es damit körperlichen Schwierigkeiten Ausdruck.

Diese können alles von harmlosen Verspannungen oder Muskelkater bis schweren Schäden wie zum Beispiel Arthrosen sein. Es erfordert den sogenannten Takt des Reiters eine ganz wörtliche Lösung des Problems herbei zu führen und/oder die Schwere des unterliegenden Schadens festzustellen. Arthrosepferde stellen in diesem Zusammenhang eine spezielle Herausforderung dar, da sie in den meisten Fällen weiter geritten werden können und sollen, aber nicht uneingeschränkt einsetzbar sind.

Bleibt es beim Beäugen und langsamen Ausweichen von Gegenständen stellt der Umgang mit der Körperangst des Pferdes kein großes Problem dar. Anders ist es, wenn der Reiter diese Warnzeichen nicht wahr oder ernst nimmt und ein mit gravierenden Gründen für Körperangst belastetes Pferd auf unangemessene Weise belastet. Dann kann es zu den unberechenbaren Reaktionen des Pferdes kommen, die die moderne Reiterei in Verruf gebracht haben.

Solche Panikreaktionen können auch durch den falsch sitzenden Reiter ausgelöst werden. Dabei bleibt zu untersuchen was genau die Körperangst und das daraus resultierende Fluchtverhalten des Pferdes auslöst.

Klassengesellschaften

Es gibt Reiter, die wissen wie es geht. Und es gibt die Anfänger, die nicht wissen wie es geht. So weit so gut.

Unter den Wissenden gibt es die, die ein Pferd fordern (sprich die Hanken belasten) können und die, die es nicht können. Alle genannten Reiter haben mit ein und der selben Spezie Pferd zu tun.

Üblicherweise bereitet die eine Art der wissenden Reiter Pferde für die andere Art vor. Oder die Hanken des Pferdes bleibt unbelastet und die Vorbereitungen für den Springparcour übernehmen diese Aufgabe. Wenn Pferde sich nicht mehr belasten lassen und/oder nicht mehr springen wollen gegen Sie in die Hände der Anfänger über.

Diese Klassengesellschaft der Reiterei birgt Gefahren. Chancen sind, dass die meisten Reiter so die Physiologie des Reitens nie ganz kennenlernen. Die Möglichkeit besteht, dass sie nicht ansatzweise herausfinden, was im Pferd steckt und was Reiten ausmacht. Dies gilt vorallem da wo der Schiefe des Pferdes und ihrer Korrektur unzureichend Beachtung geschenkt wird. Und wenn passionierte aber unwissende Reiter sich entschliessen ein eigenes Pferd zu kaufen, dann sind Probleme, Enttäuschungen und Schäden vorgezeichnet.

Unter Berücksichtigung dieses Ist-Status' der Reiterei ist die Motivation des Study-Horsemanship eine Reiterschulung zu entwickeln und anzubieten, die jedem interessierten Reiter unabhängig vom Ausbildungs- und Erfahrungsstand den Einstieg in die Physiologie der Reiterei und so ein dem Pferd spontan verständliches Vorgehen ermöglicht.

Die Haltungen des Reiters

Zu den Haltungen des Pferdes gibt es im Study-Horsemanship ausgedehnte Beobachtungen und ihre Wechselwirkungen mit der Entwicklungen und Leistungen des Pferdes ist in ‘Die Elemente der Reiterei (2007)’ ausführlich dargestellt.

Die Haltungen des Reiters und ihre Wechselwirkung mit denen des Pferdes sind erst seit diesem Jahr Gegenstand detailierter Beobachtungen. Dabei ist die Auswirkung systematischer Übungen am Boden (am erfolgreichsten ohne alles vorm Spiegel) von besonderem Interesse. Eindeutig ist es, dass die Art wie ein Reiter sich hält und wie er seine Haltung ändert deutlich lesbare Auswirkungen auf das Pferd hat.

Diese Untersuchungen rühren an elementare Zusammenhänge der Reiterei und darüber hinaus an fundamentale Fragen des Seins. Es sei daran erinnert, dass mit Yoga und Tai Chi für die Kulturkreise Indiens und Chinas Körperübungen ein fester Bestandteil nicht nur gesundheitsfördernder sondern auch wahrheitssuchender Maßnahmen ist. Im Christentum steht mit Jesus' Geburt, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt der Körper im Zentrum der Erlösung. Der lateinische Begriff für das Kreuzbein: 'sacrum' verweist auf die praktische Erfahrung des Reiters, die einen Zusammenhangs zwischen Körperlichkeit und Andächtigkeit bestätigt.

Es geht bei dieser Recherche um Grundlagenforschung für eine allseits nützliche modernen Reitlehre. Unabhängig von religiös-moralisch-doktrinären Fragen geht es mir nach der Klärung wie das Pferd zum Reiten gemacht ist um die Klärung wie der Mensch zum Leben auf dem Planeten Erde, und damit auch für die Reiterei gemacht ist. Zu untersuchen sind die strukturellen und nervlichen Eigenarten des Menschen und ihre Übertragungen aufs Pferd. Eine gründliche Erforschung des menschlichen motorisch-sensorischen Systems steht an und die Klärung solcher Fragen wie warum es möglich ist, dass das Pferde die muskulären Impulse ausführt, die der auf seinem Rücken sitzende Reiter andenkt.

Die Einwirkungen des Reiters (II)

Die Einwirkungen des Reiters im zweiten Ausbildungsabschnitt bauen auf die des ersten Abschnitts auf. Im ersten Abschnitt ging es um die Geraderichtung der Hinterhand und der Halsbasis. Nun geht es um die Gymnastizierung des flexiblen mittleren Rückenabschnitts und die vollkommene Gleichseitigkeit des Pferdes.

1. Im Vorwärts das äussere Hinterbein belasten und in Längsbiegung die äussere Seite dehnen

2. Rückenrunden und Hankensenken im jog

3. Rippenbiegung durch das Zurücklegen des äusseren Unterschenkels

4. Den inneren Hilfen nachgeben. Dadurch die Innenseite des Pferdes zusammenschieben.

4. Auf den Punkt angallopieren (welche Hilfen?)

6. Halbe Parade und ganze Parade

7. Zusammenschieben im Stand (Hinterhandwendung, Rückwärts)

Mit dieser Vorgehensweise die genannten Übungen reiten. Dabei das Pferd immer mehr an diagonalen Hilfen führen.

Gibt es eine Wechselwirkung zwischen dem Schliessen der Kruppe und der Schiefe des Pferdes?

Der Kruppenschluss befähigt das Pferd zu erhöhter Leistung. Der Reiter nutzt diese Vorrichtung im Pferdekörper und bildet sie aus. Ganz anders die Schiefe. Sie ist das Resultat der verlängerten freitragenden Wirbelbrücke des rechteckigen Pferdes. Das Schliessen der Kruppe und die Schiefe haben also vordergründig nichts miteinander zu tun.

Und doch ist ihre Wechselwirkung ein alles entscheidender Faktor in der Reiterei. Durch die Schiefe ausgelöste Ungleichseitigkeiten im Pferdekörper können den Kruppenschluss behindern oder sogar ganz in Frage stellen. Hingegen überwindet das Pferd die Schiefen seines Körpers nur auf der Grundlage des Kruppenschlusses und seiner ständigen Erneuerung im Takt der Bewegung.

Der Ruhepunkt im Rücken des Pferdes

Eine gründliche Untersuchung der Muskeln des Pferdes ergibt, dass es im Pferderücken einen Ruhepunkt für den Reiter gibt. Auf diesem Punkts sitzt der aufrechte und losgelassene Reiter und begleitet die mehr oder weniger ausgeprägte wellenartige Vorwärtsbewegung dieses Punktes ohne jede weitere Bewegung seinerseits. Lässt ihn das Pferd nicht auf dieser Welle reiten, so trabt er leicht bis das Pferd bereit ist, den Rücken herzugeben und ihn sitzen zu lassen.

Der Bewegungsapparat des Menschen

Wie das Pferd hat auch der Reiter einen Bewegungsapparat. Hände und Beine, die 'geschmeidig und dran' sind, sind neben einem gesunden Stoffwechsel mehr als alles andere das Resultat eines gedehnten und gleichseitigen Bewegungsapparats.

Es geht um zwei Faktoren. Die Geschmeidigkeit der Schultern, Ellebogen und Handgelenke genauso wie die Beweglichkeit der Hüftgelenke, der Knie und der Fesselgelenke gehören zum Themenkreis 'Die Beweglichkeit der Gelenke'.

Die fundamentalere Übungen wie das Heben der Wirbelsäule von C2, welches den Bewegungsapparat aufrichtet und aktiviert und das Zurückverlegen des Nervenabschnitts C8, welches in einem Zuge Ellebogen und Hüften aufeinander zu bewegt, sowie das Heben des Brustkorbs von C9, welches sich deutlich positiv auf das Selbstbewußtsein des Reiters auswirkt gehören dem Themenkreis 'Die Haltungen des Menschen' an.

Weiteres zu diesen beiden Themenkreisen und entsprechenden Übungen folgt.

Es sei erwähnt, dass die entsprechenden Übungen nicht nur das Leben des Pferdes unendlich erleichtern, sondern den Reiter häufig überhaupt erst in die Lage versetzen, sich loszulassen, das Pferd zu lesen und sich auf seinem Rücken zu Hause zu fühlen. Diese Übungen sorgen für eine verbesserte Versorgung des Körpers und steigern so das allgemeine Wohlbefinden. Sie entsprechen dem reiterlichen Bewegungsgefühl und dem allgemeinen Lebensgefühl des Menschen.

Das Pferd richtig führen

Keine andere Übung der Reiterei zeigt es deutlicher: Gewaltfreiheit ist nicht langsam oder lasch. Noch bedeutet sie Kraft- oder Mittellosigkeit.

Worum geht es? Korrektes Führen bereitet ein Pferd zum Reiten vor. Zum einen geht es hierbei um die sofortige Reaktion des Pferdes auf die Körpersprache des Reiters. Das heisst, der Reiter läuft los und in dem Augenblick, in dem er ein Bein hebt hebt auch das Pferd ein Bein und läuft los. Genauso beim Anhalten. Der Reiter bleibt stehen und schon steht das Pferd fest auf allen vier Beinen, ohne Zappeln, Herumtreten und/oder sonstige Unarten.

Zum anderen geht es darum, dem Pferd einen Eindrucke des gleichmäßigen Vorwärtsgehens zu vermitteln. Dieses praktiziert eine in der Freiheit lebende Herde beim Wechsel der Weideplätze, nicht aber eine Pferdegruppe, die auf begrenzten Weiden aufwächst. Vorwärts ist eine Grundlage der Reiterei. Nur Pferde, die vorwärtsgehen lassen sich ausbilden. Siehe dazu die Begriffsklärung 'Vorwärtsgehen'.

Führen ist zudem die unverfänglichste Art der Kontaktaufnahme, des Zusammenwollens und einer ersten Gymnastizierung im Schultervor. Anfänger erzielen dabei sofort hervorragende Ergebnisse. Auch bei gestörten Pferden ist im Falle von Unsicherheiten Führen das unverfänglichste Mittel um Harmonie herzustellen und Spannungen zu lösen (eine Ausführung darüber, was man tun kann wenn ein Pferd sich nicht führen lassen möchte folgt).

Das korrekte Führen ist nicht zu verwechseln mit dem Hinterherlaufenlassen der Pferde beim Hereinholen von der Weide. Weidepferde laufen entspannt, ohne die Hinterhand aktiv einzusetzen und oder den Rücken zu heben. Die Wirbelbrücke schwingt von rechts nach links und der Körper ist auf Tatenlosigkeit eingestellt. Anders das Reitpferd beim Führen. Es schliesst die Kruppe, hebt die Wirbelbrücke, federt in den Hanken, geht vorwärts und ist ganz darauf eingestellt, für den Reiter dazusein.

Fordern

In der Ausbildung gibt es Momente, in denen die im ersten und zweiten Ausbildungsziel dargestellte Vorgehensweise nicht auszureichen scheint. Der Reiter hat alles nach den Regeln der Kunst ausgeführt, aber die im gesunden, ungestörten Pferd zu erwartenden Resultate bleiben aus. Aus zunächst unersichtlichen Gründen mobilisiert sich das Pferd nicht, wird nicht besser, angenehmer, runder. An den zweiten Gang ist nicht zu denken.

In der Praxis wird in solchen Situationen eine Nachfrage fällig. Wie weit kann ich dieses Pferd fordern, ist die Frage, denn es kann auch sein, dass das Pferd schlicht unterfordert ist. Beim und durch das Fordern kommt es zu einer Bestandsaufnahme, auf Grund nur dieser sich häufig eventuell vorhandene körperliche Schwierigkeiten und das weitere Vorgehen erkennen und festmachen lassen.

Aus den Befunden einer Phase erhöhter Forderungen schmiedet der Reiter einen Plan, der dem Zustand des Bewegungsapparats und dessen Bedürfnissen entspricht. Nicht selten nämlich hat er zwar korrekt eingewirkt, hat jedoch am Punkt vorbei gewirkt, weil das Pferd weiss wie es seine Schwachstellen schützten kann.

Hat der Reiter die körperliche Schwierigkeit eines Pferdes erst einmal erkannt, dann geht es um Geduld, um ganz wörtlich Mitgefühl und manchmal auch -leid. Denn das Pferd wird nur schrittweise und unter der Führung eines gütigen Reiters Schwierigkeiten in den Funktionen seines Bewegungsapparats überwinden wollen und können. Es sind Schwierigkeiten, denen es ohne Reiter auf seinem Rücken schlicht aus dem Weg gehen würde.

Und woher stammen denn nun diese Schwierigkeiten? Sie sind fast immer man-made und entspringen der Geraderichtung des Pferdes, unverträglichen Vorgehensweisen und Sitzfehlern des Reiters. Es zeigt sich, dass der Reiter ohne entsprechende theoretische Vorkenntnisse und eine adäquate praktische Ertüchtigung dem modernen Pferd nicht gerecht werden kann. Alle, vorallem aber nicht so gute Pferde braucht des Reiters Hilfe, Unterstützung und Wohlwollen. Der sanfte und sachgemäße Umgang des Reiters mit dem Pferd wird damit zur elementaren Forderung der Reiterei.

Gleichgewicht

Im menschlichen Skelett trägt der linke Arm dem rechten das Gleichgewicht. Die aufrechte Wirbelsäule erübrigt alle weiteren Überlegungen. Der Kopf ruht auf dieser Säule und wird von ihr balanciert. Die Füße bieten zum Laufen und Stehen die notwendige Stabilität. Beim Denken, Essen und Sprechen sitzt der Mensch. In der Bewegung setzt ein wie auch immer gearteter Gleichgewichts-
sinn ein, der den Körper im Kräftefeld des menschlichen Habitats sicher steuert. Der menschliche Körper ist sich der physikalischen Begebenheiten des Planeten Erde voll bewusst, ganz ohne das Bewusstsein des menschlichen Geistes. Jeder Mensch erwirbt oder - besser gesagt - erübt es im frühesten Lebensalter noch bevor die Erinnerung einsetzt. Der Physiker, Physiologe und Judoka Moshe Feldenkrais versteht dieses Wissen des Körpers als gekoppelt mit einem dem Menschen innewohnenden zusätzlichen Kräftepotenzial. Gelingt es dem Menschen dieses Potential anzuzapfen, so ist er zu sehr viel mehr fähig.

Bei der Besprechung des ersten Kapitels der Study-Horsemanship Veröffentlichung "Die Elemente der Reiterei (2007)" nahm ich mit Erstaunen wahr, dass die Bedeutung der gewählen Präsentation des equiden Gleichgewichts den Teilnehmern des zu der Zeit stattfindenden Forschungsabschnitts nicht deutlich wurde. Was war los? Habe ich mit der Wahl des equiden Gleichgewichts als Eingangsthema einen Fehler gemacht?

Das Gewicht des stehenden Pferdes ruht auf vier Beinen. Sein Rückgrat befindet sich (ganz anders als die menschliche Wirbelsäule) den Erdanzeihungskräften im Winkel von 90 Grad ausgesetzt. Das heisst, jeder einzelne Wirbel wird nicht (wie in der menschlichen Wirbelsäule) durch einen darunter liegenden Wirbel von unten unterstützt. Die Verbindungen der equiden Wirbel wird von Bändern und Bindegewebe alleine bewerkstelligt. Die Kraft des equide Rückgrat ist dadurch nicht annähernd mit der Kraft und Stabilität der menschlichen Wirbelsäule zu vergleichen. Die Frage des Gleichgewichts stellt sich auf Grund der vier Beine, die wie Säulen Rumpf und Schweif, Hals und Kopf tragen zunächst nicht.

Die Situation ändert sich, wenn das Pferd sich in Bewegung setzt. Im Schritt stützen abwechselnd zwei oder drei Beinen sein Gleichgewicht. Im Trab sind es bei höherer Geschwindigkeit nur noch jeweils zwei Beine und beim Galopp in jeder Fußfolge immer wieder nur ein Bein, welches sowohl das Gleichgewicht zwischen vorn und hinten, als auch das laterale Gleichgewicht der zwei Seiten sicher stellt. Wie macht das Pferd das?

Hinzu kommt, dass das Gewicht des stehenden Pferdes deutlich mehr auf der Vorhand als auf den Hinterbeinen ruht. Beim Reiten kommt das Gewicht des Reiters zu dem auf der Vorhand ruhenden Gewicht noch hinzu. Und trotzdem kann das Pferd beim Steigen die Vorhand vom Boden lösen und sich auf den Hinterbeinen aufrichten. Beim Springen löst es die Vorderbein vom Boden und es entlastet die Vorhand in der Vorwärtsbewegung. Wie macht es das?

Der Leser findet die Antwort hierzu in den Kapiteln... . Dort sind im Einzelnen die Hebelwirkungen der Hinterhand beschrieben, die es dem Pferd ermöglichen mit einer wesentlich kleineren Hinterhand eine gewichtige Vorhand und den Reiter anzuheben. Aber das ist nicht alles.

Es gibt eine Einrichtung im Pferdekörper, genannt 'Das Schliessen der Kruppe', die es dem Pferd ermöglicht von zentraler Stelle, dem Sakralgelenk nämlich, allen Anforderung an sein Gleichgewicht, sein Vorwärts und/oder Aufwärts in fortlaufender Bewegung und dies alles entsprechen der Wünsche des Reiters zu bewerkstelligen.

Das Wunderwerk des equiden Sakralgelenks ist es, welches sowohl im Gleichgewicht zwischen vorn und hinten, als auch im lateralen Gleichgewicht des Pferdes die Hauptrolle spielt. In diesem Zusammenhang darf die zentrale Funktion des unter den Schwerpunkt tretenden inneren Hinterbeins für die Aktivierung der Funktionen des Sakralgelenks nicht unerwähnt bleiben. Und damit das Pferd dieses Gleichgewicht dem Reiter zur Verfügung stellen und der Reiter es beherrschen kann verwundert es nicht, dass Gesäß und die Beininnenseiten des Reiters von den selben Nervenabschnitten S2/3 innerviert werden, die beim Pferd im Zentrum des Sakralgelenks ruhen.

Grundlegendes ohne welches keine Harmonie, Losgelassenheit und oder Durchlässigkeit zu erwarten ist:

Auf dem Ruhepunkt an T12/13 im Rücken des Pferd ruhen des Reiters Gesäßknochen. Eine senkrecht zwischen ihnen aufsteigende Linie verläuft durch das aufrechte sensorisch-motorische System in der Wirbelsäule des Menschen und verlässt die Schädeldecke genau im Mittelpunkt. Die losgelassenen Beine hängen in einer deckungsgleichen Fallinie an den Seiten des Pferdes herab.

Diese Fallinie durch den Körper des Reiters deckt sich mit dem Schwerpunkt des Pferdes.

Daraus ergeben sich die grundlegenden Zusammenhänge der Reiterei:

1. Nur in der Deckungsgleichheit der Fallinien und Schwerpunkte

a. ist die Wirbelsäule des Reiters stabil und sicher

b. kann das Pferd die Impulse des sensorisch-motorischen Systems unmissverständlich lesen

c. kann der Reiter die Bewegungen des Pferdes eindeutig bestimmen

d. braucht das Pferd nicht zusätzliche Kraft und Aufmerksamkeit für das Gleichgewicht des Reiters aufbringen

2. Daraus folgt, dass das Pferd erst und nur, wenn die absolute Deckungsgleichheit der Schwerpunkte sicher gestellt ist,

aa. sich loslassen und

bb. durchlässig sein wird

cc. den Reiter voll verstehen und

dd. sich dem Reiter voll anvertrauen wird.

3. Wie und warum das hier Gesagte bis auf einen kleinen, aber entscheidenden Unterschied auch für den von F. Caprilli entwickelten Sitz, der zur Grundlage der heutigen Sportreiterei wurde gilt folgt.

Start-ups

Nach jeder Weidepause braucht das Pferd eine Vorbereitungsphase, die es dazu ertüchtigen den Reiter losgelassen und selbstbewußt zu tragen. Alles im Folgenden Gesagte gilt für jedes Pferd, welches in Beritt genommen wird. Sei es ein zuvor irgendwie gerittenes oder ein junges zuvor noch nicht gerittenes, ein ausgebildetes oder ein gestörtes Pferd. Und - wie das Pferd, braucht auch der Reiter eine entsprechende Vorbereitung.

Was passiert in der Start-up-Phase des Study-Horsemanship?

1. Reiter und Pferd laufen zusammen (siehe 'Das Pferd richtig führen'). Dabei schliesst das Pferd die Kruppe, die Geraderichtung der Hinterhand und des Halses wird angesprochen und das Zusammenwollen am Boden geklärt. Die Sauerstoffversorgung des Pferdes und des Reiters verbessert sich. Bänder, Sehnen, Muskel- und Bindegewebe beider werden elastisch, der Bewegungsapparat belebt sich.

2. Auf dem Pferd wird das am Boden erlangte nun vom Sattel weiter geübt. Wenn das Pferd beginnt frei auszuschreiten, kommt das prompte Wenden auf frei gewählten Linien dazu. Und dann Anhalten, Stehen und wieder Antreten, nun mit dem Gewicht des Reiters. Dabei hät der Reiter die Belastung des inneren Hinterbeins, die Geraderichtung und die Längsbiegung (siehe die entsprechenden Begriffsklärungen) des Pferdes im Auge.

3. Die Schrittphase nutzt der Reiter um seinen Sitz ins Gleichgewicht zu bringen (siehe 'Grundlegende Voraussetzungen...'), seine Absätze immer weiter nach unten zu dehnen, mit seinen Beinen das Pferd zu umfassen (siehe 'Elastisch und dran' und die 'Wirkung der Beine beim Leichttraben') und die Wirkung seiner Haltung und seiner Haltungsänderungen auf das Pferd unter ihm abzustimmen. Bisher unerfahrene Reiter nutzen diese Schrittphase zu Pferd, um sich in die Themen der Reiterei einzufühlen und ihren Sitz zu finden.

4. Der erste Teil der Schrittphase findet am hängenden Zügel statt. Wenn das Gleichgewicht des Sitzes gefunden ist, das Pferd rechts wie links auf das Anlegen des äußeren Zügels zügig wendet und Harmonie eingetreten ist nimmt der Reiter die Zügel auf und widmet sich der Geraderichtung des Pferdes.

Fortstzung folgt...

Beobachtungen zur Korrektur des Reiters

Von einer korrekten Statik seines Körpers zu Pferd und seiner Losgelassenheit hängen die Einwirkungen des Reiters und ihr Erfolg ab. Sein Kenntnisstand in Sachen physiologische Zusammenhänge erlauben ihm den Ist-Zustand eines Pferdes richtig einzuschätzen und geeignete Ausbildungswege zu wählen. Die Systematik seines Vorgehens wird zur Grundlage eines gut und zuverlässig ausgebildeten Pferdes. Zuerst also geht es um den Sitz und seine Einwirkungen, dann die Theorie und dann das praktische Vorgehen zu Pferd. Alle drei Aspekte sollten auf einem Fundament systematischen und gut durchdachten Vorgehens ruhen.

Die Sitzschulung als Grundlage korrekten Einwirkens erfordert häufig vorbereitende Übungen am Boden. Oft gestatten es erst diese dem Reiter falsche Bewegungs- und Haltungsmuster aufzulösen. Um korrespondierende Fehler des Pferdes zu vermeiden reitet der Reiter sein Pferd in dieser Phase zunächst nur im Schritt.

In gravierenden Fällen ist es vielversprechender wenn der Reiter gar nicht reitet, sondern sein Pferd durch passende Bodenarbeit vorbereitet, während er sich selbst durch eine geeignete Gymnastik ertüchtigt. Dabei schult der Reiter zum einen seinen Körper. Zum anderen schult er sein Auge, während er das Pferd ertüchtigt. Die Chancen stehen gut, dass die Fortschritte beider nach Abschluss der Vorbereitungen sofort in ein erfolgreiches Zusammen münden.

Muskeleinsatz und -impulse

"Ständiger Muskeleinsatz beim Treiben ist schlicht dumm". man fragt sich wie Nuno Oliveira das so eindeutig formulieren konnte? Schliesslich kommt es jedem Reiter einmal vor, dass er sein Pferd ständig treibt. Häufig ohne es recht wahrzunehmen.

Reiten ist Bewegung. Möchte sich ein Pferd unter dem Reiter nicht bewegen (hat es also sowohl seinen Vorwärtsdrang als auch seine Bereitschaft die Impulse des Reiters in Bewegung umzusetze aufgegeben) so hat es einen Grund hierfür. Die Ursache/n sollte der Reiter kennen und nicht aus den Augen verlieren. Ist der Grund eine Schwäche des Pferdes gilt es gezielt und langsam aufbauend vorzugehen. Ist der Grund ein Sitzfehler des Reiters gilt es dessen Ursachen zu erkennen und gezielt zu beheben. Ist das Pferd frustriert (und hierfür gibt es etliche Gründe), dann sollte der Reiter herausfinden, wie er dem Pferd Mut zusprechen kann.

Häufig jedoch gründet sich das Nichtvorwärtswollen nicht auf solche zum Teil ernst zu nehmen Ursachen, sondern stellt sich bei prompter Aufforderung als physiologische oder psychologische Eintagsfliegen heraus. Deshalb der Rat, zunächst keinerlei (!) muskuläre Aktion einzusetzen, sondern das Pferd einmal aber deutlich mir der Reitgerte aufzufordern. Die reiterliche Umgangssprache nennt dies: "Das Pferd in die Gänge bringen", am besten so, dass diese Aufforderung nicht noch einmal wiederholt werden muss.

Handelt es sich um eine Kombination ernst zu nehmender Schäden und einem entsprechend hohen Frustrationsgrad dann kann es vorkommen, dass ein Reiter ohne wiederholten Muskeleinsatz nicht ganz auskommt. Für diesen Fall sollte der Reiter zwei physiologische Zusammenhänge kennen.

1. Klemmen und Eilen sind zwei verschiedene Ausdrucksweisen ein und des selben Problems. Beide sind der Ausdruck von Schwäche.

2. Im Normalfall führt das Pferd die muskulären Impulse aus, die der Reiter in die Wege leitet.

Um die Zusammenhänge dieses in der Praxis wohl bekannten Umstandes verstehen und nutzen zu können

- sieht man sich zuerst die Beschaffenheit der aufrechten menschlichen Wirbelsäule, des Rückenmarksstamms und des motorisch-sensorischen Systems in ihrem Kern an und probiert aus, dass und wie man dieses Gesamtsystem nach oben dehnen kann

- probiert man aus, wie man durch immer weiteres Absenken des Absatzes das Fliessen der Impulse in den Beinen positiv beeinflussen kann

- und versteht, dass es beim Treiben um das gleichmäßige Fliessen muskulärer Impulse geht, die der Reiter in die Wege leitet, jedoch das Pferd ausführt.

Aus diesem physiologischen Zusammenhang erklärt sich alles, was man gute Reiterei nennt. Wenn dieses Fliessen der Impulse nämlich geklärt ist, dann hat der Reiter unter sich ein Pferd, welches ohne seinen natürlichen Vorwärtsdrang abzuschalten die Impulse des Reiters abwartet und sie wie und wann gewünscht gewissenhaft und kommentarlos ausführt.

Nun aber noch einmal zum Thema Klemmen oder Eilen. In beiden Fällen ist eben dieser Zusammenhang gestört und je nach Situation und Temperament setzt das Pferd den Fluchttrieb oder die Verweigerung ein, um den Ursachen des Problems zu entgehen.

Längsbiegung

Der Begriff Längsbiegung bedeutet nichts anderes als dass das Pferd mit seinem Körper die gebogene Linie nachzeichnet auf der es läuft.

In der freien Natur geschieht dies durch den Blick der Augen in die Bewegungsrichtung. In anderen Worten, solange das Pferd sieht wohin es läuft bewegt es sich auf gebogenen Linien automatisch in Längsbiegung. Die Rippenbiegung ist etwas anderes, siehe unten.

Unter dem Reiter erzielt eine kleine Bewegung des Ringfingers die Genickstellung, welche nicht anderes als die Stellung des Genicks im Zuge der Bewegung der Augen ist. Weil die Längsbiegung wie gesagt die direkte Folge der Genickstellung braucht sie im Normalfall nicht extra angewiesen werden, da das Pferd - so sollte man meinen - ja sehen will wohin es läuft.

Aus mehreren Gründe findet dies jedoch gelegentlich so nicht statt. Zum einen sind auch Pferde neugierig und möchte mit den Augen erkunden. Zum anderen verlassen sie die Längsbiegung wegen der im Zuge des Gerittenwerdens und der Geraderichtung entstehenden Spannungen. Da sich das Pferd nur in oder auf Grund der Längsbiegung loslässt (dazu unten mehr) trifft der Rat Nuno Oliveiras zu, die Genickstellung des Pferdes vorallem zu Beginn der Ausbildung sorgsam zu bewachen und wann immer ihr Verlust droht mit dem inneren Ringfinger sofort wieder herzustellen.

Der innere Ringfinger stellt das Genick. Um zu verstehen, wie das funktioniert und was dabei im Körper des Pferdes vor sich geht, muss man sich das betroffene Gelenk zwischen Hinterhaupt und erstem Halswirbel ansehen. Auch zu berücksichtigen sind die Wechselwirkung zwischen Genick und Unterkiefer und die Wirkung des Unterkiefers auf das vegetative Nervensystem.

Das Gelenk, in welchem der reiterliche Ringfinger mittels Zügel und Gebiss eine Seitwärtswendung des Pferdekopfes bewirkt, besteht aus dem großen Knochenfortsatz am equiden Hinterhaupt und dem breiten, mit seitlichen Fortsätzen ausgestatteten ersten Halswirbel. Das Gelenk ist in seiner Längsachse symetrisch und gewährt Spielraum für das Heben und Senken des Pferdekopfes und für laterale Bewegungen. Längs durch das Gelenk verläuft das zentrale Nervensystem.

Die Ausformung dieses Gelenks bewirkt, dass beim und durch sein Seitwärtsstellen die gesamte Wirbelreihe dahinter seine Richtung ändert. Die Wirbel des Halses, des Rückgrats, das Kreuzbein und des Schweifes liegen bei gerade gehaltenem Genick so aneinander, dass sie bis auf die von der Schiefe betroffenen Abweichungen eine gerade Linie bilden. Beim gestelltem Genick bilden sie eine von oben gesehen geschwungene Linie.

Erfahrung erweist, dass das Pferd in fortgesetzter Längsbiegung am sichersten in die Losgelassenheit finden. Nicht klar ist, warum das so ist. Tatsache ist auch, dass der Reiter im Wechsel von Längsbiegung und Schultervor am erfolgreichsten Hinterhand, Halsbasis und Genick gerade richtet. Die Geraderichtung des flexiblen Mittelteils, die das Pferd entgültig gleichseitig und gleichzeitig elastisch macht wird in der zweiten Ausbildungsphase im Wechsel systematischer Rippenbiegung und Wiedergeradestellung erzielt.

Dazu sei an dieser Stelle noch einmal die Schultervor genannt Stellung in Abgrenzung zur Längsbiegung dargestellt. Wie wir gesehen haben bewirkt die Längsbiegung eine Änderung in der lateralen Stellung der equiden Wirbel zu einander. In der Längsbiegung zeichnet die Wirbelreihe die Linie nach, auf der das Pferd sich bewegt. Im Schultervor passiert das genaue Gegenteil: Die Wirbelreihe wird wieder zur geraden Linie, und – das sei hinzugefügt – bis auf die Verwerfungen im flexiblen Mittel, nun tatsächlich zur geraden Linie. Warum?

Um das Pferd mit gerade gehaltenem Rücken auf gebogenen Linien reiten zu können, bringt der Reiter die Schultern des Pferdes ein klein wenig in die Wendung hinein. Der Vorteil: Dadurch tritt das Pferd, ob es möchte oder nicht mit dem jeweilig inneren Hinterbein unter oder zumindest in Richtung auf den Schwerpunkt. Zusammenfassend: In der Längsbiegung ist das Genick zur Seite gestellt (“Das innere Auge schimmern sehen,” sagten die Meister), im Schultervor hält der äussere Zügel am Hals und der äussere Ringfinger am Gebiss Hals und Genick gerade.

Der Reiter kann das Pferd entsprechend seiner physiologischen Notwendigkeiten auf geraden und auf gebogenen Linien entweder in Längsbiegung oder im Schultervor reiten. Er kann zwischen diesen beiden Stellungen wechseln, so wie es die Geraderichtung des Pferdes erfordert. Erst wenn seine Hinterbeine auf beiden Händen gleichmäßig unter den Schwerpunkt treten und die Halsbasis sicher in der Mitte bleibt (es also diese Phase der Geraderichtung abgeschlossen hat) kann er es auf geraden Linien schnurgerade reiten.


Eines ist klar, mit diesem Vorgehen enden sich tragen lassen und spazieren reiten. Das genannt Vorgehen erfordert den Willen des Reiters ein gerades und gleichseitig Pferd unter sich zu haben und zu beherrschen. Solange der Reiter in diesem Punkt noch zögert und/oder seine eigene Haltung und Gleichseitigkeit nicht fit sind ist er erfolgreicher in der Geraderichtung vom Boden aus.

Auch aus diesem Grund befolgen wir im Study-Horsemanship die folgende Progression:

- führen (Miteinanderwollen)
- vorbereiten an der halblangen Longe (Genickstellung und Längsbiegung sichern)
- freilaufen auf dem kleinen Viereck (die Körpersprache am Boden klären
- laufen an der langen Longe (Vorwärts in Längsbiegung, Trab-/Galoppübergänge, Trabtritte und Galoppsprünge verlängern)

Für Anfänger verbindet eine geschickte Didatik diese Schritte mit Phasen auf dem Pferderücken, so dass sich das reiterliche Gefühl und die Fähigkeit die Bewegungen des Pferdes mit den Augen zu beurteilen miteinander entwickeln.


Durchkommen und oder Fordern

Nachdem der Beitrag 'Fordern' geschrieben war stellte sich das Thema noch einmal im Zusammenhang des sogenannten Durchkommens.
Es stimmt schon: Der Reiter kommt aus zunächst unersichtlichen Gründen mit seinen Anweisungen nicht immer durch. Und sein Nicht-Durchkommen richtet, wenn es nicht sofort an der Wurzel gepackt wird, verheerende Schäden in den Bereichen der gegenseitigen Sympathie und des Pferdes Respekts an.

Was passiert?

Was sind die Ursachen?

Wie führt man die Lösung herbei?

Durchkommen und Durchlässigkeit

Zusammenfassend sei festgehalten, dass das Pferd solange der Reiter nicht durchkommt zu fordern ganz unsinnig ist. Ganz im Gegenteil: Wenn das schwache und oder verspannte Pferd sich gelöst und gekräftigt hat fordert es sich auf Grund des ihm innewohnenden Temperaments und seiner Bewegungsfreude von selbst. Lösen und Stärken sind die Themen.

Authorität

Authorität ist nicht Respektlosigkeit. Ganz im Gegenteil. Authorität gründet sich auf Respekt. Gerangelt wird bei den Pferden nur in den unteren Rängen.

Authorität erfordert Selbstrespekt. Das rätselhafte erste Gebot: "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst", heisst im Umkehrschluss: "Nur wenn ich mich selbst respektiere kann ich den anderen respektieren".

Authorität geht einher mit Fürsorge. Authorität ohne Fürsorge wird schnell zu Gewaltausübung.

Authorität, Respekt und Fürsorge gewinnen das Vertrauen des Pferdes. Dazu gehört auch wenn nötig die Nachfrage nach Motiven und Beweggründen. Das Pferd möchte sich wie der Mensch verstanden fühlen.

Des Menschen untere Körperhälfte ist für die Anweisung und Kontrolle der Pferdehinterhand zuständig. Die Hinterhand ist des Pferdes Motor. Per definitione gibt es keine Bewegung (und damit auch keine Reiterei) ohne tätige Hinterhand. Der Reiter bemächtigt sich dieser deshalb zuerst.

Die Hinterhand ist der equide Motor. Sie schiebt, trägt und erhält das Gleichgewicht. Sie hebt das Pferd an und schnellt es vorwärts. Sie ist auch Stossdämpfer, Gangschaltung und Bremse. Der Motor des Pferdes ist also noch viel mehr als nur ein Motor. Zusammen mit der Steuerung im oberen Hals bestimmt er des Pferdes Richtungen und Haltungen. Man merkt: Der horizontal ausgerichtete Bewegungsapparat des Pferdes unterscheidet sich ganz wesentlich von dem vertikal bestimmten menschlichen.

Der Unterkörper des Menschen ist alles vom obersten Lendenwirbel an abwärts. Direkt über ihm befinden sich zwischen Lenden und Brustkorb die entsprechenden Nervenabschnitte. Viele Aspekte menschlicher Bewegungssteuerung finden direkt hier und nicht im Gehirn statt.
Korrespondierend beginnt die Hinterhand des Pferdes am vordersten Lendenwirbel. Direkt davor ist an den Wirbeln zwischen Lenden und Brustkorb das Zwerchfell befestigt. Man ahnen es: Der erste Lendenwirbel spielt in Sachen Antrieb eine wichtige Rolle. Dabei kommen dem Reiter des Pferdes angeborener Vorwärtsdrang und das reflexartige Schliessen seiner Kruppe zur Hilfe.

Der Reiter aktiviert seinen Unterkörpers durch ein Abwärtsdehnen der Absätze. Von diesem unterstützt bringt er das Becken ins Gleichgewicht. Das gleichgewichtete Becken richtet ohne weiteres Zutun die Wirbelsäule auf (Abb. 1: Kreuzbein und Lendenwirbel). Hochgezogene Absätze bringen es deshalb beim Reiten nicht. Bei tiefem Absatz beginnen die Impulse von T10-12 zu fliessen (Abb. 2: humanes ZNS). Und nun kann der Reiter seine untere Wirbelsäule auch runden. Sie wird zur Spannfeder, die den Rücken des Pferdes ganz genau begleitet und die Hinterhand aktiviert. Ein Hohlkreuz kann all dies nicht (Abb. 3: Bill Brand, Nude in the Bathtub).

6707_1_web


Study-Horsemanship

3. Forschungseinheit 2007

Zusammenfassung:

Im Schritt am hängenden Zügel ergreift der Reiter vom Motor des Pferdes Besitz. Er bringt seinen Sitz ins Gleichgewicht und lernt, wie er die Hinterhand des Pferdes ansprechen kann.

Im Schritt am halblangen halbgespannten Zügel richtet der Reiter das Pferd im Wechsel von Längsbiegung und Schultervor auf Geraden und Wendungen gerade. Er lernt Sitz, Haltung und Grundlagenwissen zu Gunsten der Geraderichtung des Pferdes einzusetzen.

Die Belastung des inneren Hinterbeins durch das Hereinbringen der Pferdeschultern, die Genickstellung vom Boden, Längsbiegung, Losgelassenheit und das Verlägern der Tritte waren die Themen der vorbereitenden Handarbeit.

Unter dem Reiter wird im Normalfall die Schrittarbeit fortgesetzt bis alles fluppt. Danach klappt die Trabarbeit meistens wie von alleine und auch der Galopp stellt keine Anforderung da. Dann kommen die Übungen, Lektionen und Hufschlagfiguren des ersten Ausbildungsziel. Sie sind einfach und gehen meist wie von selbst. Danach können Reiter und Pferd ins Gelände.

Falsche Vorgehensweisen, Haltungen und Einwirkungen erzeugen Widerwille, Unruhe und Lahmheiten. Beim Reiten ist wenn man richtig vorgeht alles kinderleicht. Falsches Vorgehen ist unendlich schwer.
Deshalb in kleinen Schritten immer nur richtig vorgehen.

Das Pferd kann ohne die Führung des Reiters nicht funktionieren. Es gilt eine sachlich-liebevolle Authorität zu wahren. Pferde sind als Streicheltiere ungeeignet.

Die unverzichtbaren theoretischen Grundlagen fürs Reiten sind das Schliessen der Kruppe und ein Verständnis der equiden Hinterhand, die neben dem Antrieb praktisch alle anderen Funktionen der Reiterei erfüllt.

Damit die Übertragungen zwischen dem humanen und dem equiden Bewegungsapparat stimmen muss der Reiter sich selbst und seine Haltungen auf Gleichseitigkeit und Aufrichtung hin untersuchen und diese wenn nötig normalisieren.

Ebenfalls hilfreich sind Grundkenntnisse der Nervenübertragungen zwischen Reiter und Pferd.