Es geht um Hände.
Die klassische deutsche Reitkunst lehrt aufrechte, geschlossene und ruhige Hände. So als ob man zwei Gläser voll mit Wasser trägt, ohne etwas zu verschütten. Hände, die die Grundlage der Anlehnung sind. Ganz gleich wie leicht, stark oder schwer diese Anlehnung sein mag.
In der Praxis liegen die Hände jedoch häufig auf dem Widerrist. Eine Praxis die besonders für Kinder und Anfänger gut funktioniert. Ich frage mich warum?
Die klassische französische Reitkunst lehrt völlig andere Funktionen der Hand. Die Zügel laufen unter dem zweiten oder mittleren Ringfingerglied. Die Handfläche ist gerundet und elastisch. Als ob man sanft einen kleinen Vogel hält und ihn daran hindert wegzufliegen. Finger, Handgelenke und Ellbogen sind weich und geschmeidig. Die Reiterhand hält den Kontakt zum Pferdemaul. Hände können je nach Haltung des Pferdes recht hoch kommen.
Die Energie, die aus menschlichen Händen und Handinnenflächen strömt ist in Al Simons neuesten Unterrichtseinheiten gefeatured. Hubert Godard macht diese Energie in rolf-movement Kursen zum Schwerpunkt. Craig Stevens spricht von einem Zustand, "... zwischen Berührung und keiner Berührung." Einem Nullpunkt zwischen der Hand des Reiters und dem Kiefergelenk des Pferdes. Und es gibt diese historische Tatsache: Christus erlitt den Tod, weil er an Nägeln hing, die durch seine Handflächen getrieben wurden.
Geht das zu weit? Vielleicht. Aber sollten Reiter sich nicht all dessen bewusst sein und um die Kraft der eigenen Hände wissen? ...Und dann stellt sich diese offensichtliche Frage: Wie die Hände leicht halten und die Energie, die aus ihnen kommt fliessen lassen?
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