In David W. Anthony „The Horse, the Wheel and Language“ (2007) ist mir ein Zitat aufgefallen. Sir William Jones, „The race of man ... cannot long be happy without virtue, nor actively virtuous without freedom, nor securely free without rational knowledge.“ Ich wiederhole in eigenen Worten. Glücksgefühl und Leistungsbereitschaft beruhen auf Freiheit, die nur durch nachvollziehbares Wissen entstehen kann. Ich bin froh über diese Idee, die heute im Zeitalter des Konsums nicht mehr so formuliert wird. Auch wenn jede sozial integrierte zentraleuropäische Mutter eines Kindergartenkindes sie verifizieren kann.
Sir William Jones war ein englischer Linguist, der Ende the 18. Jahrhunderts als Administrator des British Empire nach Indien kam und dort nicht nur das zu seiner Zeit übliche Indisch, sondern auch die Sprache der Veden, das alte Sanskrit erlernte. 1789 überrachte er die gebildete Welt mit der folgenden Feststellung:
- The Sanskrit language, whatever its anitquity, is of a wonderful structure: more perfect that the Greek, more copiuos than the Latin, and more exquisitely refined than either; ... believing them to have sprung from one common source, which perhaps no longer exists.“
Proto-Indo-Europäisch ist diese Sprache, deren Rekonstruktion und geschichtliche Indikationen Anthony in seinem Buch umfassend darstellt. Interssant: Sie hat ihren Ursprung irgendwo am Schwarzen Meer. Frage: Ist sie eine der Ursprachen oder ist sie die Ursprache? Welches sind die möglichen anderen Ursprachen und wie entstande diese?
Dazu ein weiterer Gedanke:
Anthony stellt Sir William Jones aufklärerische Überlegungen den Ansprüchen der Romantik an eine ursprünglichere Sprache gegenüber. Er legt Jones’ Entdeckung einer Ursprache, der ihr folgenden Vermutung einer Ur-Rasse und der national-sozialistischen Vorstellung einer Indo-Germanischen Herrenrasse, den Ariern, dar.
Verfolgt man die Sache weiter so erkennt man, neben der sich daraus ergebenden welt-politischen Krise (WWII) ganze Ketten „aufgeklärten“ Gedankenguts und gegen-aufklärerischer Reaktionen. Beide Positionen werden nicht bündig und haben sich angesichts globaler Fragestellungen inzwischen erübrigt. Es gibt kein Gesetz gegen die Liebe. Stabile Bindungen, zielgerichtete Arbeit, liebevolle Kindererziehung, saubere Luft, durchschaubare Herrschaftsstrukturen und Essen für alle sind universelle Ideale. Dazu gibt es keine Misstimmigkeiten. Die Frage ist, warum werde diese Ideale nicht gelebt? Was hält den Menschen und die menschliche Gemeinschaft davon ab, zu tun was sie für richtig hält?